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EINLEITUNG
Ich glaube, dafí fast jeder Schriftsteller eine Geographie ganz persönlicher Art mit sich herumtrágt, eine kleine Welt, in der Landschaften, Stádte, Garten, Hauser, Zimmer mit Wesen sei-ner eigenen Fantasie bevölkert sind. Über Wochen, Monate, Jahre hinweg verbringt der Schriftsteller sein Leben mit den Gestalten seiner Fantasie so an erdachten Schauplatzen, die er erst verlassen kann, wenn das Buch beendet ist.
Nun denn, vor fast zwanzig Jahren verbrachte ich einige Monate an einem soldien Ort meiner Fantasie, und ich taufte ihn >Grand Hotel<. Mein Hotel existierte nicht wirklich, es hatte nichts mit dem >Adlon< oder dem >Eden< zu tun, ob-wohl es ganz bestimmt in Berlin stand. Es war eine Mischung aus den europáischen Hotels, die ich kannte. Ich nannte mein Buch >Menschen im Hotel<, und spáterhin wurde es als >Grand Hotel< ein internationaler Erfolg. Man machte ein Theaterstück daraus, einen Film, und nebenbei war es auch der Anlafi meiner Auswanderung nach den Vereinigten Staa-ten im Jahre 1931, zu einer Zeit, da Hitler nichts war als ein fernes Wetterleuchten am Horizont.
Ich weifi nicht, wie andere Schriftsteller an die Arbeit gehen; für mich beginnt alles Schreiben mit einer Frage — einer Frage von der Hartnáckigkeit eines Bohrwurmes. Im Falle des vorlie-genden Buches begann sich eine solche Frage um die Zeit in meinem Kopf festzusetzen, als die Alliierten in Sizilien lande-ten. Die Frage, die mich Tag und Nacht nicht in Ruhe liefi, war: wie sieht es jetzt in Deutschland aus? Was denken, füh-len, fürchten und hoffen die Deutschen in einem Augenblick, da schon die ganze Welt das Menetekel an der Wand lesen kann? Mit anderen Worten: was geht zu diesem Zeitpunkt in meinem >Grand Hotel< vor?
Die Antwort darauf gab ich mir in diesem Buch, das damit alsó eigentlich der zweite Teil von >Menschen im Hotel< ist. Wie zuvor, war mir das Hotel mehr oder weniger das Symbol für einen Ort, wo alle möglichen Menschen einander begeg-