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Vorwoit zur deutsdien Ausgabe
Obwohl der nadimalige Kaiser Claudius zehn Jahre vor Beginn der christlichen Zeitrecihnung geboren wurde, so weist sein Zeitalter mehr Gemeinsamkeiten mit der Gegenwart auf als irgendeine andere dazwischen liegende Epoche. Wenn sich die Geschichte seines Lebens und seiner Taten streckenweise wie ein Bericht aus der Gegenwart liest, so hat das nicht darin seinen Grund, daß ich die historischen Tatsachen entstellt oder gefärbt oder angepaßt hätte. Die Ereignisse seiner Zeit von Claudius selbst erzählen zu lassen schien mir der beste Weg, um die große Menge von Material zusammenzuraffen, das ich bei den Vorarbeiten für dieses Buch studiert und gesammelt habe. Nur an den wenigen Stellen, wo die Uberlieferung mich im Stiche ließ, habe ich aus meiner Erkenntnis der Materie, besonders aus meiner Kenntnis des Claudius selbst, versucht, die Lücke durch intuitives Nachfühlen zu schließen. Die hauptsächlichsten Quellen, die ich benutzt habe, sind: Tacitus, Suetonius, Cas-sius Dio, Plinius, Varro, Valerius Maximus, Orosius, Frontinus, Stra-bo, Caesar, Columella, Plutarch, Josephus, Diodorus Siculus, Xiphili-nus, Zonaras, Seneca, Petronius, Juvenalis, Philo, Celsus, die Verfasser der Acta Apostolon.im und derPseudo-Evangelien vonNicodemus vmd Jakobus und schließlich Claudius selbst in seinen Briefen und Reden.
Seit jeher ist Claudius füf mich eine höchst anziehende Erscheinung gewesen, und je länger ida mich mit ihm beschäftigt habe, desto mehr habe ich mich über die sdiematische Darstellung wundern müssen, die er in den meisten Geschichtsbüchern erfährt: Er wird dargestellt als ein nicht zurechnungsfähiger, ängstlicher Pedant, der seinen Frauen und seinen Sekretären hörig war und eine Marionette in den Händen der kaiserlichen Garde bildete. In Wahrheit aber ist er — obwohl er kaum irgendwelche Verwaltungspraxis gehabt hatte — einer der fähigsten, geschicktesten Herrscher gewesen, die Rom je gehabt hat. Seine finanziellen, religiösen und juristischen Reformen, seine militärisdien Erfolge, die großen öffentlichen Arbeiten, die er angeregt hat, seine eindeutig wohlwollende Gesinnung für das Volk müssen den Nachfahren mit höchster Bewilnde-rung erfüllen. Viele Beispiele, die für seine sogenaimte Stumpfsinnigkeit angeführt werden, beweisen nur, daß er einen absonderUdi feinen Humor hatte, der dem üblichen Beobachter entging.
Außenpolitisch zeigte er eine große Klugheit. Sein Verhalten gegen Deutschland belegt dies aufs beste. Er wußte, daß es zwecklos
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