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ERSTES BUCH
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Mein Name ist Walter Frank.
Ich wurde am 17. Mai 1906 in Wien geboren. Ich bin öster-reichischer Staatsbürger, römisch-katholisch und verheiratet mit Valerie Frank, einer geborenen Kesten. Mein Beruf ist der eines Exportkaufmannes, meine Wohnung befindet sich im Hause Reisnerstrafíe 112 im dritten Wiener Gemeindebezirk, und was ich hier niederschreibe, ist die Geschichte eines Irrtums.
Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich in dem Wort >Irrtum< wohl auch das Beste gefunden habe, mit dem sich die Erfahrungen, die Erlebnisse und die Ereignisse der letzten Mo-nate zusammenfassen lassen, ob dieses Wort ihrer gewissenhaf-ten Bilanz, aber auch der Quintessenz des Abenteuers entspricht, das nun beinahe schon zur Gánze hinter mir liegt; ob es nicht vielleicht ein allzu anspruchsvolles Wort ist; ob ich ein Recht besitze, es auf meine Geschichte und meinen Fali anzuwenden. Ich habe sehr gewissenhaft darüber nachgedacht, ohne etwas zu beschönigen und ohne etwas zu vergessen - mit derselben Gewissenhaftigkeit, mit welcher ich darangehen will, meine Geschichte, ohne etwas zu vergessen, ohne etwas zu beschönigen, hier niederzuschreiben - und ich glaube, dafí das Wort >Irrtum< das richtige ist.
Es war der gröfite Irrtum, den ich in meinem Leben begangen habe, und es wird der letzte sein, denn ich bin krank und werde bald sterben. Es ist keine unangenehme Krankheit, die mich befallen hat, wenn man davon absieht, dafi sie unbedingt letal ausgehen mui Ihre Symptome lassen sich selbst in dem fortge-schrittenen Stádium, in welchem ich mich befinde, ertragen. Man benötigt allerdings ein ordentliches Mittel gegen die Schmerzen. Das Mittel, das ich verwende, heifit >Morphium-hydrochlorid<. Mit seiner Hilfe bin ich schmerzfrei. Ich achte auf mich, und wenn ich bemerke, dafi der Druck über der Nasenwur-zel zunimmt, daü jenes altgewohnte und gutbekannte Klopfen hinter den Augenhöhlen sich ankündigt, dann öffne ich einfach eine Ampulle und mache mir selbst die Injektion. Das ist alles. Mehr ist nicht nötig. Es ist keine unangenehme Krankheit, wenn man davon absieht, dafí sie unbedingt tödlich ist.
Genau betrachtet, macht sie sich noch durch eine Reihe