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Lainzer Straße 148
Im Januar 1964 holte mich von meiner Wohnung in Hietzing ein Cadillac ab. Schwarz glänzend. Mein Agent Paul Kohner hatte meine Abreise aus Wien nach Amerika organisiert. In drei Stunden ging mein Flugzeug nach Los Angeles. Wien-Frank-furt, Frankilirt-New York, New York-Los Angeles. Gut zwanzig Stunden. Aus irgendwelchen Gründen begleitete mich niemand zum Flughafen. Wahrscheinlich wollte ich es so. Michael hatte eine wichtige Prüfling in München. Das weiß ich noch. Ich mußte wegen meines Visums und der vorläufigen Arbeitserlaubnis, die mir die amerikanische Botschaft in Wien erteilte, aus Wien in die USA einreisen. Von meinen Eltern verabschiedete ich mich in meiner Wohnung. Meine Mutter hatte mir geholfen, die zwei Koffer zu packen. Nun weinte sie und sagte nur immer wieder: »Sei g'scheit, sei g'scheit«, mein Vater drückte meinen Kopf schmerzhaft an seine Schulter und flüsterte heiser: »Du weißt ja, was wir dir wünschen, du weißt es ja.« Dann brach er völlig zusammen, und während meine Mutter sich um ihn kümmern und ihn trösten mußte, hupte der Chauffeur der schwarzen Limousine mehrmals nervös vor dem Haus. Nachbarn standen neugierig um den Cadillac, als ich einstieg. Meine Koffer waren schon eingeladen. Weiße Koffer. Ein Geschenk meines amerikanischen Agenten. Meine Mutter stand auf dem kleinen Balkon meiner ersten eigenen Wohnung und winkte verzweifelt, wie früher, wenn ich im Sommer ins Kinderlager fahren mußte. Mein Vater stand hinter ihr und rief hinunter: »Hast alles.? Hast den Paß.?«, eine Frage, die er mir in der letzten halben Stunde etwa zwanzigmal gestellt hatte. Dann fuhr das Auto los.
Als wir an der Lainzer Kirche vorbeiführen und ich das Haus meiner Kindheit sah, wußte ich, daß ich Abschied nehmen mußte. Von diesem Haus. Von meiner Kindheit. »Bitte. Es dauert nicht lange.«
Der Chauffeur wartete auf dem Kirchenplatz, auf dem ich radfahren gelernt hatte.