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Prolog
Ein Lied von längst verstorbenen Fremden,
längst vergangenen Zeiten, von Kindern, groß geworden und hinausgezogen
Lyall Watson, Gift of Unkown Things
In jenen Stunden des Tages, wenn Silberstreifen auf dem Savannengras liegen und die Silhouetten der Hügel blaßgold umrandet sind, fahre ich oft mit meinen Hunden hinauf zur Mukutan-Schlucht, um zuzusehen, wie die Sonne hinter dem See untergeht und die Abendschatten sich auf Täler und Ebenen des Laikipia-Plateaus legen.
Dort, am äußersten Rand des Ostafrikanischen Grabens, wächst ein vom ewigen Wind gebeugter Akazienbaum, der die Schlucht bewacht. Dieser Baum ist mein Freund und mein Bruder. Ich lehne mich an seinen Stamm, der so schuppig und grau ist wie ein weiser alter Elefant. Durch seine Äste, verdreht wie Arme in einem stummen Tanz, blicke ich hinauf zum Himmel über Afrika. Die Dunkelheit kommt schnell, Rot wird zu tiefem Purpur, der Mond gleitet als blasser Fleck am Horizont entlang. Ein letzter Adler fliegt majestätisch zurück in sein Nest auf dem steilen Felsen. Wie aus der Urzeit klingen die Töne aus der Schlucht herauf: Blätter rascheln, Schlangen huschen, Baumfrösche trillern im verborgenen, die ersten Nachtvögel schreien. Dazwischen schnaubt ein Büffel, kreischen Paviane oder hustet ein Leopard rauh und krächzend.
Die enge Welt Europas ist fem und fremd. Gibt es Venedig wirklich, und treibt der Abendnebel aus verschlafenen Kanälen hinüber zu alten Palästen? Fliegen die Schwalben noch immer zu ihren Nestern unter den Dachtraufen des veriassenen Hauses meines Großvaters in Venezien? Und ist das Auto damals, in jener Sommernacht, wirklich ins Schleudern geraten am Rande der Lagune?
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