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EDITORIAL
Zur Versprachlichung der Zeit
WasistZek? ( )
Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich's;
will ich's aber einem Fragenden erklären, weiß ich's nicht.
(Aurelius Augustinus: Bekenntnisse. 11. Buch. Zitiert nach der Übertragung von Wilhehn UnmiilA, Zürich:Artemis Verlag, 1950. S. 312)
Obwohl „Zeit" eines der am meisten gebrauchten Wörter der deutschen Sprache ist, woraus man schließen könnte, dass es sich um einen wohlverstandenen Begriff handeh, scheint der berühmte und als einleitendes Zitat gewählte Ausspruch von Augustinus auch heute noch gültig zu sein. Wenngleich gewisse Bilder unsere Alltagsvorstellungen von Zeit dominieren und diese etwa als an unserem Bewusstsein vorbeilaufendes und die Zeitebenen „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft" widerspiegelndes Band zeichnen, oder das Symbol der Uhr bemühen, um das ständig fließende Element der Zeit zu veranschaulichen, stellt die Auseinandersetzung mit den verschiedensten historischen und disziplinären Zeitkonzepten beträchtliche Ansprüche an das Abstraktionsvermögen und an die Fähigkeit, einen Gesamtüberblick zum Thema zu gewinnen. Festzuhalten bleibt auf jeden Fall, dass wir „Zeit" als eine geschichtliche, sozial und kulturell bestimmte Größe sehen können.
Zeit und Tempus in der linguistischen Diskussion
Was hat aber nun die grammatische Kategorie „Tempus", die durch eine begrenzte Anzahl von Konjugationsmorphemen am Verb und durch die Zusammensetzung von Hilfsund Vollverben gekennzeichnet ist, mit der Anschauungskategorie „Zeit" zu tun?
Herkömmlicherweise wird angenommen, Tempus diene zur Kennzeichnung der Zeit, über die gesprochen wird: Präsens vornehmlich zur Kennzeichnung der Gegenwart, Präteritum zur Darstellung von Vergangenem. Dieser Gedanke aber muss relativiert werden. Die Tempora kennzeichnen nämlich nicht die tatsächliche Zeit, da das
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