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VORWORT ZUR NEUEN AUSGABE
Die drei Jahre, die seit dem Erscheinen der ersten Ausgabe dieses Buches vergangen sind, bedeuten für die gesamte Welt Zeiten solcher Entscheidung und so schwerwiegender und weittragender Entwicklung, daß man mit Recht von Jahrzehnten statt von Jahren sprechen kann. Für die deutsche Judenheit zumal bedeuten diese drei Jahre eine völlige Veränderung ihrer Situation. Bei allen persönlichen Erlebnissen und bei aller individuellen Tragik, die diese Entwicklung gebracht hat, verdanken wir ihr ein gesteigertes Interesse der Juden für jüdische Dinge. Ein neues Gemeinschaftsgefühl ist wach geworden. Juden der Peripherie sind zurückgekehrt. Getaufte und Abseitige haben wieder zurückgefunden. Damit ist ein vielseitiges Interesse an den Fragen der jüdischen Geschichte lebendig geworden. Diesem neu erwachten Interesse verdanken wir die Möglichkeit, dieses Buch im neuen Gewände einer neuen Ausgabe erscheinen zu lassen.
Es braucht nicht besonders darauf hingewiesen zu werden, daß kaum eine Seite des Buches unverändert geblieben ist. Uberall, im Stilistischen und im Sachlichen ist von neuem gefeilt und geändert worden. Manches Neue ist hinzugekommen. Neues Bildermaterial wurde hinzugefügt. Das Schlußkapitel: „Die Stellung des Juden im Staate" versucht die Einordnung der aktuellen Judenfrage in die historischen Zusammenhänge.
Eine jüdische Geschichte hat heute eine Aufgabe, die über das Lehrhafte hinauswächst. Die Wahrung der Würde und des Stolzes muß aus der Kenntnis unserer Geschichte wachsen. Hat man aber begriffen, was für eine große und schicksalsreiche Geschichte das Judenvolk hat, darm wird man jedes Judenschicksal freudig und stolz bejahen.
Berlin, November 1933. JOACHIM PRINZ