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Eduard Fuchs - Illustrierte Sittengeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart I-III./Renaissance Ergänzungsband [antikvár]

Illustrierte Sittengeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart I-III./Renaissance Ergänzungsband [antikvár]

Eduard Fuchs

 
Vorwort Das jeweilige sittliche Gebaren und die jeweiligen sittlichen Anschauungen und Satzungen, die die geschlechtlichen Betätigungsformen der Menschen innerhalb einer bestimmten Epoche regeln oder sanktionieren, sind die bedeutsamsten und bezeichnendsten Erscheinungen dieser Entwicklungs= epoche. Die Wesensart jeder Zeit, jedes Volks und jeder einzelnen Klasse offenbart sich gerade darin am ausgesprochensten. Denn das Geschlcchtsleben zeigt uns in seinen tausenderlei Aus« Strahlungen nicht nur ein wichtiges Gesetz, sondern das Gesetz...
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Vorwort Das jeweilige sittliche Gebaren und die jeweiligen sittlichen Anschauungen und Satzungen, die die geschlechtlichen Betätigungsformen der Menschen innerhalb einer bestimmten Epoche regeln oder sanktionieren, sind die bedeutsamsten und bezeichnendsten Erscheinungen dieser Entwicklungs= epoche. Die Wesensart jeder Zeit, jedes Volks und jeder einzelnen Klasse offenbart sich gerade darin am ausgesprochensten. Denn das Geschlcchtsleben zeigt uns in seinen tausenderlei Aus« Strahlungen nicht nur ein wichtiges Gesetz, sondern das Gesetz des Lebens überhaupt; die Urs funktion des Lebens ist in dem sittlichen Gebaren, den sittlichen Anschauungen und den sittlichen Satzungen einer Zeit Form geworden. Es gibt keine einzige Form und keinen einzigen Bestandteil der Lebensbetätigung, die nicht durch die geschlechtliche Basis des Lebens ihren bestimmenden, zum mindesten einen charakterisierenden Einschlag bekommen hätten; das gesamte öffentliche und private Leben der Völker ist von geschlechtlichen Interessen und Tendenzen durchtränkt und gesättigt. Es ist das ewige und unerschöpfliche Problem und Programm, das keinen Tag von der Tagesordnung weder des einzelnen noch der Gesamtheit kommt. Aber jede Zeit — und das ist das Entscheidende — hat dieses Geschehen anders geformt und seine Satzungen stets von neuem revidiert und korrigiert. Tausendfach und immer neu sind die Abstufungen innerhalb der Grenzen, in denen es sich bewegt: von der einen, wo es als kaum begriffene Naturkraft nicht viel mehr als ein bloßes animalisches Erfüllen war, zu deren Gegenpol, wo es sich zum köstlichsten Geheimnis des Daseins und zum Endpunkt alles Schöpferischen erhob, und wiederum zu jener Grenze, wo es der Stoff zu einer einzigen fortgesetzten Zote war und jedes Wort und alles Tun im Dienste eines orgienhaften Austobens der Sinne stand. Auf Grund von alledem ist die Geschichte des sinnlichen Gebarens in den verschiedenen Entwicklungsstadien der Kultur nichts Geringeres als einer der Hauptbestandteile der gesamten Menschheitsgeschichte. In bestimmt umgrenzte Begriffe gefaßt, heißt das: Die Geschichte der geschlechtlichen Sittlichkeit umfaßt die wichtigsten Gebiete des gesellschaftlichen Seins der Menschen, also die Gesamtgeschichte der legitimen und der illegitimen Liebe (Ehe, eheliche Treue, Keusch? heit, Ehebruch. Prostitution), der unerschöpflichen Arten des gegenseitigen Werbens im Dienste und Interesse der Geschlechtsbetätigung, der Sitten und Gebräuche, zu denen sich dieses verdichtet hat, der Begriffe über Schönheit, Freude und Genuß, der Ausdrucksformen im Geistigen (Sprache, Philosophie, Anschauung, Recht usw.) und nicht zuletzt der ideologischen Verklärungen durch alle Künste, zu denen der Geschlechtstrieb immer von neuem hinführt. Weil die Geschichte des sinnlichen Gebarens der Hauptbestandteil der gesamten Menschheits> geschichte ist, darum ist auch der Reichtum an Dokumenten, die in jedem Lande von ihm künden, nicht nur unerschöpflich, sondern es sammelt sich in ihnen auch das Größte und Bedeutsamste, das Raffinierteste und Ungeheuerlichste, aber auch das Blödeste und Trivialste, was der Menschen? geist ausgesonnen und geschaffen hat. Die Resultate seines kühnsten Denkens, seiner göttlichsten Inspirationen und seiner peinlichsten Verirrungen vereinigen sich hier. Aber von so fundamentaler Wichtigkeit eine Sittengeschichte, die sich speziell mit der geschlechtlichen Moral befaßt, für den nach historischer Erkenntnis der Vergangenheit ringenden Geist auch ist, und so reich die Quellen hier jedem Forschenden sprudeln, so ist die Entwicklungs? geschichte der geschlechtlichen Moral in der modernen Geschichtswissenschaft doch ein überaus vernachlässigtes Gebiet. Wir besitzen in der deutschen Literatur beachtenswerte Arbeiten auf diesem Gebiete höchstens über das alte Rom. Dagegen existiert bis heute keine Sittengeschichte der Zeit seit dem ausgehenden Mittelalter, in der die verschiedenen Wandlungen in den Anschauungen und Forderungen der geschlechtlichen Moral innerhalb dieser Geschichtsperiode historisch dargestellt und begründet wären. Wir haben eine Reihe Materialsammlungen und einige kleinere summarische Monographien über einzelne, enger begrenzte Fragen, Länder oder Zeitabschnitte. Das ist alles. Aber selbst dieses Wenige ist ganz unzulänglich, denn es befindet sich darunter kaum eine einzige Arbeit, die auf modernen wissenschaftlichen Gesichtspunkten aufgebaut wäre. Skulptur aus dem Badezimmer des Kardinal d'Aroboise im Schloß von Qaillon. 16. Jahrhundert Vorwort Dieser Ergänzungsband dient zwei Aufgaben: Er soll an Bild« und Tex'material alles das vorführen, was durch seine allzu große Drastik und Deutlichkeit für das Hauptwerk, dessen Vers breitung auf die weitesten Leserkreise berechnet ist, ungeeignet erscheint, und weiter soll er dem Spezialforscher die längeren Zitate und die Ergänzungen an Bildern bieten, die für ihn unerläßlich sind und deren Aufnahme in das Hauptwerk aus räumlichen Gründen unmöglich war. Gewiß lag es mir auch im Hauptwerk durchaus fern, der Prüderie irgendwelche Konzessionen zu machen — solche wären nirgends weniger angebracht als in einer Sittengeschichte, die sich speziell mit der Geschichte der geschlechtlichen Moral befaßt. Und darum war es im Gegenteil mein Bemühen, jede Verschleierung der Dinge zu vermeiden. Aber selbst die gewissenhafteste Erfüllung dieser Absicht ist nicht gleichbedeutend damit, unter der Flagge der historischen Auf« richtigkeit auch das Hanebüchenste mitzuführen, was ursprünglicher Zeiten Überschwang hervor« gebracht hat, und sich dabei mit der Bemerkung und dem Bewußtsein zu salvieren, daß man als Schilderer der Vergangenheit doch nicht zugleich deren verantwortlicher Redakteur sei. Der Nichtfachmann kann nämlich ein für ihn ausreichendes Bild von den Dingen auch dann bekommen, wenn man sich in der Vorführung des Dokumentarischen nur auf das unbedingt Nötige beschränkt. Anders verhält es sich mit der Verantwortung eines Autors gegenüber dem Wissenschaft» liehen Leser, dem Spezialforscher, Bibliophilen und Sammler. Allen diesen muß jedes derartige Werk gewissermaßen ein neues Handwerkszeug darbieten. Sie müssen alles sofort auf seine Solidität nachprüfen können, und sie müssen dadurch außerdem in den Besitz von Material zu anderen für sie speziell wichtigen Aufschlüssen kommen. Diesem Teil der Leser gegenüber genügen keine allgemeinen Urteile, aus denen jeder sich eine andere Vorstellung bilden kann: er hat das Recht, Vollständigkeit in jeder Richtung zu fordern. Und der Autor, der zu fruchtbaren Resultaten führen will, hat die Pflicht, diese relative Vollständigkeit wenigstens mit allen Kräften anzustreben. Und diesem besonderen Leserkreis und diesen besonderen Zwecken soll dieser Ergänzungsband dienen. Bei dem hier in Frage stehenden Dokumentenmaterial kommt außer« dem in Betracht, daß man nur sehr selten zum Leser sagen kann: „siehe da und siehe dorf". Denn diese Dinge, wie alte Kupferstiche, Flugblätter und ähnliche Dokumente, sind der Mehrzahl der Leser unzugänglich, weil das meiste davon selbst für den Spezialforscher für immer wieder verloren ist, wenn er darauf verzichtet, die einzelnen Stücke sich in dem Augenblick auf irgend eine Weise zu sichern oder sie zu reproduzieren, wo er ihrer habhaft wird. Diese Dinge sind erst zum kleinsten Teil geborgener oder registrierter Besitz — sie liegen auf der Straße, aber jeder Windstoß fegt sie in einen anderen Winkel, wo sie immer nur ein glücklicher Zufall wieder zum Vorschein bringt Dem Kenner meiner früheren Publikationen sage ich damit nichts Neues, denn das sind dieselben Gesichtspunkte, die mich seinerzeit bei der Abfassung des Sonderbandes über „Das Galanter augaburger Kupferstich Vorwort Ich habe die Gesichtspunkte, die mich bei dieser Arbeit leiten und deren Form bestimmen, ausführlich im Vorwort zu dem Bande „Renaissance" ent» wickelt. Da ich dem dort Gesagten nichts Neues hinzuzufügen habe, so enthebt mich dies, hier noch einmal auf diese Punkte näher einzugehen. Zwar soll jeder der drei Bände, auf die das Werk angelegt ist, in seiner ganzen Anlage eine für sich abgeschlossene und darum auch in gewissem Maße selbständige Untersuchung darstellen, aber deshalb bleiben sie in ihren Grundgedanken und in ihren Richtungslinien doch alle die Teile eines Ganzen, zu dem sie sich schließlich organisch zusammenfügen sollen. Der ungeheure Materialreichtum zwang mich wiederum unerbittlich dazu, von den mir zugänglichen Belegen immer nur sogenannte Kostproben zu geben. Da sich aber unter den von der Aufnahme ausgeschiedenen Bildern und Texten ebenfalls wieder vieles befindet, was speziell für die wissenschaftliche Benützung von großer Wichtigkeit ist, so werde ich auch diesesmal das in Frage kommende Material, vereint mit jenen Dokumenten, die sich nicht für eine allgemeine Verbreitung eignen, in einem später erscheinenden Sonderband Gelehrten und Sammlern zugänglich machen Berlin.Zehlendorf, Herbst 1910 Eduard Fuchs Beim Polka. Ball im Jahre 1830 Lithographie von F. Lehnert Vorwort Ich habe auch in diesem dritten und letzten Bande dem nichts hinzuzufügen, was ich über Ziel, Umfang und Ausgestaltung dieser Arbeit an derselben Stelle vor drei Jahren im ersten Bande ausgeführt habe. Alles was dort gesagt ist, gilt auch hier. Ich kann nur die Hoffnung aussprechen, daß es mir gelungen ist, nicht allzuweit hinter dem zurückgeblieben zu sein, was ich mir selbst bei Beginn dieser Arbeit als Aufgabe gestellt habe. Berlin

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Cím: Illustrierte Sittengeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart I-III./Renaissance Ergänzungsband [antikvár]
Szerző: Eduard Fuchs
Kötés: Vászon
Méret: 200 mm x 280 mm
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