Bővebb ismertető
Erstes Buch.
Weit vor ihrer individuellen Einsamkeit ist sie ein Mädchen
gewesen, das in der ihm verordneten Liebe seiner Eltern seinen
Anfang nahm und davon beschenkt Wärme und Lebensart an sich
brachte. Bald schon konnte es im hohen Standard seines Wesens
überzeugen und beweisen, daß etwas im Wachsen war, etwas aus
frühvollendetem Geist. Aber weil die Politik und ihr Krieg es woll-
ten, daß man sich an ihr verging, mußte sie Abschied nehmen von
ihren unverfälschten Gefühlen, von ihren verschwiegenen Absich-
ten und Zielsetzungen und von dem Blick, der aus ihren Augen in
die Welt hineinsuchte. Und all ihr Spielen mit den Gedanken, all
ihr Träumen über die masurischen Seen, auf die Kernsdorfer Hö-
hen, zu den Wanderdünen, den flachen Haffs, den Erlenbrüchen
und Mooren und all den stillen klaren Lüften mußte zu Ende sein.
Und nun ist sie, obgleich schon weit über die Schwelle der Jugend
geführt, von einer seltsam stillen Beschaffenheit, wo Standpunkt
und Erkennen mitmenschlich gütig aber unbeirrbar sich aufhal-
ten, ist ganz anders als vorgesehen ins Leben gegeben, ist schön
im Ebenmaß ihres vielfältig begüterten Geistes, ist schön, wie es
nicht vom Geschmack abhängt, schön aus innen, aus der Rein-
lichkeit ihrer Gedanken. Wo ihr Auge hinreicht, ist Sorgfalt und
Verpflichtung mit ihm. Wo ihr Wesen hinkommt, ist beispielloses
Bekenntnis. Über das Intime ihrer seelischen und dynamischen
Möglichkeiten, über die Gesamtheit ihres Charakterbildes hat sich
im Lauf der Erkenntnisse Wolfgang Borcherts seherisches und
dreizehnmal gnadenlos in die Welt hineingeschrienes Nein hin-
gebreitet und wirkt zurück bis in ihre frühe und früheste Zeit. In
ihr ist im Gesetz wechselnder Bewegtheit Gruß und Verbeugung
an die Wahrheit. In ihr ist beides, das Kleine und das Große. In ihr
ist die Verwegenheit, zwischen den Epochen der ruhevollen Geld-
verdiener und der Bildungsphilister unbequem zu sein, auch wenn
es sie ins Ziel treibt, lang ehe es klug ist, dort zu sein.
Sie sieht im Sehen, was nicht zu sehen ist. Sie weiß, daß die
Stunde da ist, wo man sie wegen ihrer rücksichtslosen Ehrlichkeit
abschütteln wird, wo begründet werden wird, warum sie unhalt-
bar geworden ist. Man wird zu längeren Begründungen und
Beweisungen ausholen, um sie wegzuloben, um sie vor die Tür zu