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Der schreiende Berg Prinzessin Perisadah war alleine im Gar- ten, umgeben von den Mauern des Schlos- ses und ihrer Zufriedenheit. Prinz Brah- man, ihr Gatte, war jagen und wollte erst spät heimkehren. Da trat ein fremdes Weib ans Tor, sah den blühenden Garten, staunte über die Pracht und sprach: „Gewiß, hohe Herrin, Euer Garten ist schön, aber Ihr seht nur, was Ihr kennt. Allein das dritte Auge erblickt des Glückes Mangel. Könntet Ihr den ausfüllen, so wäre Euer Garten vollkommen." Das Weib stockte, doch ihre Worte...
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Der schreiende Berg Prinzessin Perisadah war alleine im Gar- ten, umgeben von den Mauern des Schlos- ses und ihrer Zufriedenheit. Prinz Brah- man, ihr Gatte, war jagen und wollte erst spät heimkehren. Da trat ein fremdes Weib ans Tor, sah den blühenden Garten, staunte über die Pracht und sprach: „Gewiß, hohe Herrin, Euer Garten ist schön, aber Ihr seht nur, was Ihr kennt. Allein das dritte Auge erblickt des Glückes Mangel. Könntet Ihr den ausfüllen, so wäre Euer Garten vollkommen." Das Weib stockte, doch ihre Worte genüg- ten, der Prinzessin Begehren zu wecken. Mit sich steigernder Heftigkeit drang sie in das Weib, ihr das Geheimnis zu enthüllen. Schließlich sagte die AI- te: „Was Eurem Garten fehlt, ist des Glückes // eigene Quelle: das ////^^^ goldene Wasser, I / f//s^0 der sprechende III// ^^ > Vogel und der sin- I I I I L X/ gende Baum. [ I I | ** Dreimal sieben Iii Tagesreisen von \ \ \ / hier ist dies alles zu \\\/ / finden. Doch wer im- / i mer aufbricht, die / I Dinge zu suchen, be- / gehre ohne Begehrlich- ^^^ / keit." ^^J Als die Frau gegangen war, überfiel Prinzessin Perisadah gro- ße Unruhe. Erst die Schritte des Prinzen rissen sie aus ihrem Grübeln. Kaum hatte sie dem Gatten von ihrer Begegnung er- zählt, ergriff auch diesen das Verlangen wie nach einem verlorenen Schatz. Noch im Schlaf verfolgte ihn die Unruhe, und als der Tag dämmerte, war sein Pferd gesat- telt, stand der Diener bereit. Zärtlich nahm Prinz Brahman von seiner Liebsten Ab- schied und ritt dem unbekannten Lande entgegen, der Mühsal des Weges nicht achtend. Er ritt wie im Traum, bis die Täler einsam wurden, menschenleer die Steppen und der letzte Pfad sich am Fuße eines Gebir- ges verlor. Am Morgen des einundzwan- zigsten Tages traf er am Ende der Schlucht einen Derwisch, der ohne Gegengruß und Blick, tonlos in der Stimme und wie aus fernen Räumen sagte: „Kehre um! Wer strebt, verliert, wer nicht will, gewinnt. Nicht wollen, nicht wahrneh- men, nicht haben allein eröffnet den Weg. Es werden dich Bilder aus der Tiefe über- fallen und Stimmen von allen Seiten. Aber wehe dir, den Blick zu wenden! Noch einmal sage ich: Wehe! Wo immer du gehst, lauert der Tod." Der Prinz, voller Ungeduld und ohne Be- reitschaft, in den Sinn der dunklen Worte einzudringen, gebot sei- nem Burschen, nur einen Tag zu warten, und be- gann den einsamen Aufstieg. Tiefe Stille umhüllte den Berg. Endlos dehnten /f \\\\\ sich Ha,den schar- ^ 1 1 1 1 ien Gerölls, von - I I I I großen schwarzen /V "J IJJ Steinen durch- \ ^s^ / / / setzt, die umso i \ / dichter den Berg V \ // bedeckten, je höher \ \ y / er kam. Der Prinz \ schritt festen Mutes \ aus, seines Zieles gewiß. V-^ Da, mit donnerndem Schlag zerriß das Schweigen, und ein Stimmengewirr wie aus tau- send Kehlen erfüllte den Berg. Es war ein Rufen und Locken, ein Flüstern und Dro- hen, hierhin und dorthin ihn zerrend, wie der Derwisch es gesagt hatte. Unbeirrt stieg der Prinz weiter, ohne Acht auf die Stimmen der Verführung. Reglos stockte er vor dem ehernen Wagen, der tosend ge- gen ihn auffuhr - als gellender Peitschen- knall an sein Gesicht schlug: Jäh schnellte Prinz Brahman herum, aber noch während den Blick er wendet, zur Abwehr bereit, und zugleich die Warnung des Derwischs erinnernd, lähmte kalte Starre ihn, die Nacht sinkt, und nichts verbleibt als schwarzer Stein.

Termékadatok

Cím: Im Garten des Lebens [antikvár]
Szerző: Alois Nußbaumer , Franz Moser Leopold Schöfbeck
Kiadó: Herder
Kötés: Ragasztott papírkötés
Méret: 160 mm x 220 mm
Alois Nußbaumer művei
Franz Moser művei
Leopold Schöfbeck művei
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