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Der Glaube eines modernen Menschen
I
Wir leben in einer schwierigen und sdimerzhaften Epoche: es geht nicht mehr so sehr darum, den Glauben zu bewahren noch ihn zu verteidigen, ja nicht einmal, ihn zu propagieren; es geht darum, aus ihm zu leben und ihn daher neu und lebensvoll zu machen. Niemals ist er nämlidi unter solchen Umständen gelebt worden, wie sie heute gegeben sind. Niemals noch sind Menschen vor so weitreichende Möglichkeiten gestellt gewesen. Die Hauptsünde gegen den Glauben, die heute mehr denn je begangen wird, besteht darin, daß man sich weigert, ihn in Frage zu stellen. Das ist ein sicheres Zeidien der Angst. Eine dirisriiche Mutter klagte mir: »Mein Sohn hat seinen Glauben verloren! Er stellt alles in Frage.« — »Liebe Frau«, antwortete ich ihr, »Sie versuchen dodi gewiß ihm zu antworten?« — »Nein, nein, Herr Pfarrer, wenn man sich darauf einließe, wo käme man denn da hin?«
Die Angst ist das Zeichen und das Maß, inwieweit es an Glaubenskraft fehlt. Darum ist das Evangelium übervoll von Aufmunterungen und Tröstungen gegenüber der Angst: »Fürchtet euch nicht! . Warum habt ihr euch gefürchtet, ihr Kleingläubigen? . Fürchtet nichts, sondern glaubet! Ich bin es, fürchtet eudi nicht!« Und der Mann, der sein Talent vergraben hatte statt es zu nützen, glaubt sidi damit entschuldigen zu können, daß er sagt: »Ich habe Angst gehabt. « Charles de Foucauld sagte ein großes, beherzigenswertes Wort: »Es gibt ein Ding, das wir unserem Herrn unbedingt schuldig sind — daß wir uns niemals und vor nichts fürchten!« Der Glaube ist nichts anderes als ein Zweifel, den man überwunden hat. Solange wir nicht von Zweifeln versucht worden sind, heißt das nur, daß unsere Vorstellungen wie auch die