Bővebb ismertető
Die Verfasser des vorliegenden Bandes ließen sich nicht von dem illusori-
schen Anspruch leiten, einen „objektiven" „vollständigen" Überblick über
die ungarische Gegenwartsliteratur zu bieten, und auch nicht von der Ab-
sicht, einen verbindlichen Kanon zeitgenössischer Werke zu erstellen und
dadurch unvermeidlich dessen ästhetische Ideologie zu vermitteln. Ziel des
Unternehmens war es, dem deutschsprachigen Leser einen möglichen Ein-
blick in eine sprachlich schwer zugängliche Literatur zu gewähren. Unter
den sich dabei anbietenden Möglichkeiten repräsentiert unsere Sammlung
die Herangehensweisen der neueren ungarischen Literaturwissenschaft, so-
fern literarische Phänomene hier weniger auf ihre inhaltlich-thematische
Seite hin untersucht, sondern vielmehr im poetologisch-dichtungsgeschicht-
lichen Horizont behandelt und gedeutet werden. Einer solchen Herange-
hensweise angemessen wird also von der wirkungsgeschichtlichen Darstell-
barkeit eines unabschließbaren Dialogs von Formen und Diktionsmodi aus-
gegangen, in welchem - als sich ereignendem Akt der jeweiligen Traditions-
bildung und -erneuerung - die temporale Seinsweise von Literatur am deut-
lichsten zum Vorschein kommt. Darin, wie diese Ereignisse in der Rezep-
tion aufgenommen und beantwortet werden, konstituiert sich schließlich die
eigentliche literarische Wirlichkeit einer Epoche. Und dies gilt auch für un-
sere Gegenwart. Im Zeichen solcher Prämissen wird hier den Fragen nach-
gegangen, auf welche Weise aus der widerspruchsvollen Tradition der ver-
gangenen Jahrzehnte in Ungarn eine zeitgenössische Literatur hervorging,
und wodurch dies charakterisiert wird.
Dabei wird dem Leser allerdings etwas mehr abverlangt als im einschlä-
gigen Diskurs des literarischen Feuilletonismus und der journalistischen
Kritik. Ist der Leser bereit, sich dieser Herausforderung zu stellen, mag es
wohl zu einer Gegenseitigkeit kommen, in der der Band das ihm gewidmete
Interesse mit einer detaillierten Einfuhrung in die diskursive Systematik der
ungarischen Gegenwartsliteratur erwidert. Denn es dürfte - ohne die infor-
mativen Verdienste der Tageskritik geringschätzen, geschweige denn eine
Opposition zwischen Kritik und Wissenschaft annehmen zu wollen - nie-