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Ein Fall und die Folgen
»Nein, nein, nein!«, schreit sie im Sturz, im scheinbar unendlichen Fall, den auch kein noch so verzweifeltes Armrudern bremst. Dann ein Schlag gegen die Hand: Schmerz, Erwachen, Angstschweiß.
An Wiedereinschlafen ist nicht mehr zu denken, dafür sitzt die Beklemmung zu tief. Zudem dieses Scharren und Klappern, das nicht geträumt sein kann! - Kuschel! Iris knipst das Licht an, nimmt das Meerschweinchen aus seinem Stall, um sich zu trösten, die Angst wegzustreichein. Ob Meerschweinchen auch Träume und Angst haben? Richtige Angst, nicht nur Erschrecken? Vielleicht sogar Angst zu sterben, so wie sie? Iris denkt darüber nach, kommt aber zu keinem Ergebnis, ahnt nur, dass Angst und Tod etwas miteinander zu tun haben.
Zehn nach Fünf, liest sie von der Uhr. Also ohnehin nur noch knapp eine Stunde bis zum Aufstehen. - Blöde Schule!
Soll sie vielleicht eine Geschichte über Angst schreiben? Gern und oft schreibt Iris auf ihrem PC Storys oder kleine Romane, früher von Donald Duck und Claas Clever, jetzt im Stil von Star Trek. Aber nein, Angst, das ist zu schwer und hässlich. Lieber liest sie etwas. Sie greift nach ihrem augenblicklichen Schmöker: Licht der Fantasie. Komisch, dieser Zweiblum dort, der hat nie Angst. Läuft als Tourist auf Pratchetts Scheibenwelt herum, findet alles toll und folkloristisch und besteht so die irrsten Abenteuer, ohne jede Spur von Angst. - Ja, der Traum, der sitzt immer noch in der Seele. Oder sonstwo, gefühlsmäßig eher im Bauch. Darüber sollen sich ruhig Bio - und Relilehrerin streiten. Ist ihr reichlich egal!
Doch wieso hat Zweiblum nie Angst, kennt keine Gefahr, während sein Freund Rincewind so ein Feigling ist? Wieder anders ist es bei Cohan, dem alt gewordenen Barbaren, der die Gefahr sieht, aber dennoch seine Heldentaten vollbringen muss, die Angst bewältigt.
Typisch die Szene, die sie da liest: Da wollen die Druiden ein Mädchen opfern. Zweiblum tritt ganz selbstverständlich in den Kreis der bewaffneten Priester und versucht - in aller Höflichkeit versteht sich - sie darauf aufmerksam zu machen, dass man den Göttern symbolisch auch Beeren und Nüsse anbieten könne. Cohan dagegen sondiert die Lage und entwickelt einen Plan (mangels Zähnen etwas undeutlich): In Tempel ftürmen, die Priefter erledigen. Goldftehlen, Mädchen retten und abhauen.