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Impressionismus [antikvár]

Anna Maria Damigella

 
Es gab in der Zeit um die Jahrhundertwende wohl kein ähnliches Phänomen in der Kunst wie den französischen Impressionismus. Dieser Stil brachte eine entscheidende Wende für die Entwicklung der modernen Malerei. Er entstand analog zu einem unaufhaltsamen Reifeprozeß innerhalb der sozialen und ethischen Strukturen des Lebens. Vor allem in Belgien (»Les XX«) und in Deutschland (Liebermann) wurde diese Kunstrichtung mit einem ungeheueren Enthusiasmus aufgenommen, was häufig zu einer unkritischen und oberflächlichen Betrachtung des...
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Es gab in der Zeit um die Jahrhundertwende wohl kein ähnliches Phänomen in der Kunst wie den französischen Impressionismus. Dieser Stil brachte eine entscheidende Wende für die Entwicklung der modernen Malerei. Er entstand analog zu einem unaufhaltsamen Reifeprozeß innerhalb der sozialen und ethischen Strukturen des Lebens. Vor allem in Belgien (»Les XX«) und in Deutschland (Liebermann) wurde diese Kunstrichtung mit einem ungeheueren Enthusiasmus aufgenommen, was häufig zu einer unkritischen und oberflächlichen Betrachtung des Phänomens führte. Der Impressionismus galt als die große moderne Kunstbewegung; man lobte zu Recht seine Beziehung zur sozialen Realität und zu den typischen Charakteristika des täglichen Lebens in den einzelnen Ländern. Es gab bald genügend junge Künstler, die die impressionistische Technik studierten und nachzuvollziehen versuchten, wenn auch einige von ihnen es aus unreflektiertem, ge-schmäcklerischem Gefallen an der Sache taten. Vor allem die neuartige Darstellungsweise des Lichtes, deren Technik von Monet ausgegangen war, und die späteren Entwicklungsformen dieses Stils - Neoimpressionismus und Symbolismus -führten zu originellen Ergebnissen, wobei auch Tradition und Kultur der einzelnen Kunstzentren eine Rolle spielten. Malern, die zu Anfang der impressionistischen Bewegung die signifikante Bedeutung eines Cezanne, Gauguin oder van Gogh erkannt hatten, brachte das Publikum die obligatorische Bewunderung für alles Moderne entgegen. Die Oberflächlichkeit der kritischen Betrachtungen bestimmte auch die Terminologie der zeitgenössischen Literatur und der Kritik. Beide versuchten krampfhaft, sich auf die große nationale Tradition zu berufen, konnten jedoch in keiner Weise die Entwicklung der Malerei bestimmen - die neuartige formale und farbliche Gestaltung des Lichtes, welche das Ergebnis einer determinierten Interpretation der Natur und der Gesellschaft war. Die Polemik gegen die sogenannte Zersplitterung der impressionistischen Idee führte sich insofern selber ad absurdum, als gerade diese Zersplitterung die Basis bildete für die interessantesten Strömungen der modernen Kunst. Leider gibt es bis heute keine genaue historisch-kritische Studie über die unglaublich rapide Verbreitung des Impressionismus außerhalb Frankreichs und über die verschiedenartigen Auslegungen der impressionistischen Grundideen. Ebenso hat bisher noch niemand auch nur den Versuch unternommen, wenigstens die wichtigsten Charakteristika der einzelnen Künstler zu analysieren. Dieses Buch will keineswegs das Versäumte nachholen. Es sollen lediglich einige Aspekte etwas genauer betrachtet, die interessantesten Künstler vorgestellt werden und einige allgemeine zeitbezogene Phänomene zur Sprache kommen. Einführend muß gesagt werden, daß der Impressionismus seine unaufhaltsame Ausbreitung und seine Beliebtheit sicher nicht der Tatsache zu verdanken hat, daß er eine revolutionäre Erneuerung der formalen Elemente mit sich gebracht hätte. Das Hauptinteresse galt vielmehr den Bildinhalten. In Belgien übte der Impressionismus zuerst seinen Einfluß auf das kulturelle Leben aus. Die Begeisterung für die neuartige Sensibilisierung des Lichtes griff wie eine Epidemie um sich; James Ensor beispielsweise gab der impressionistischen Realitätsgestaltung häufig einen ironisch-grotesken Beigeschmack. Die belgischen Künstler übernahmen die wesentlichen Charakteristika des Impressionismus, wenn sie auch einige entscheidende Punkte verwässerten und von privaten Aspekten aus betrachteten (so z. B. die Funktion des Lichtes als objektivierendes Darstellungsmittel einer in der Auflösung begriffenen Realität). Eine wichtige Rolle für die Entwicklung der belgischen Kunst spielte der enorme wirtschaftliche Fortschritt des Landes, die neue unruhige, impulsive Generation, die Flucht aus der provinziellen Enge, hervorgerufen durch die Reaktion auf die radikale, moderne, positive Realität der Dritten Republik. Auf der anderen Seite stand das durch verstärkte Reflektion und intellektuelle Schulung erworbene Bewußtsein der Diskrepanz zwischen der kulturellen Hegemonie Frankreichs und den moralischen Ansprüchen einer Gesellschaftsklasse, die sich auf ihrer bisher höchsten wirtschaftlichen Entwicklungsstufe sah. So entstand eine Krise in der Beziehung zur französischen Tradition: die im Nachbarland geltenden Wertigkeiten stießen in Belgien oftmals auf heftige Geringschätzung oder aber auf grenzenlose Bewunderung. Ohne die allgemeine gesellschaftliche Entwicklung in Belgien wäre der enorme Enthusiasmus der Gruppe »Les XX« (»Die Zwanzig«) nicht denkbar gewesen. Auch die großartige künstlerische Ausdruckskraft und der Sarkasmus Ensors haben ihren Ursprung in dieser Begeisterung für das Neue, Moderne. Ensors Kunst basiert auf der Beziehung zum täglichen Leben, zu dem forcierten Pulsschlag der sozialen und kulturellen Evolution. Die Ironie in den Werken des belgischen Malers scheint im Widerspruch zu stehen zu der harmonischen und vollständigen Wiedergabe der Realität, wie sie die Impressionisten anstrebten. Ensor übernahm deren Realitätsbewußtsein, ohne sich jedoch mit 7

Termékadatok

Cím: Impressionismus [antikvár]
Szerző: Anna Maria Damigella
Kiadó: Schuler Verlag
Kötés: Fűzött kemény papírkötés
ISBN: 3881994424
Méret: 250 mm x 300 mm
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