Bővebb ismertető
EINE DER WICHTIGSTEN LEKTIONEN DES REISENS... VORSÁTZE ch hatte seit jeher eine Vorliebe für die Landstriche knapp dies- und jenseits der Grenzen unseres Landes gehegt. Die Dörfer und Stádtchen dieser Zone hatten ilir eigenes Flair, iliren abenteuerlichen und gleichzeitig nonchalanten Charme - so als durchschauten ihre Bewohner das Iíünstliche jecler Grenzziehung, als hatte sie der stete Kontakt mit den Nachbarn gegen Sturheit und hochfahrenden Patriotismus gefeit. Man fiihlte sich ganz einfach anders in Orten wie Pontarlier oder Posehiavo. Man war hier auf lockerere Art zu Hause, man spürte den Sog des Nachbarlandes und konnte ihm nach Belieben nachgeben ocler nicht, Der Grenze entlang um die Schweiz zu reisen war ein Plán. der über die Jahre hinweg Gestalt annahm. Ich hatte kleine Teilstrecken abgewanclert, im Jura und am Rhein; ich hatte Zeitungsartikel über einsame Zollstationen oder einstige Grenzstreitigkeiten auf die Seite gelegt. Es gab Bücher von Leuten. die anderswo das gleiche unternommen hatten. Einer meiner Lieblinge war Kingdom By the Sea von Paul Theroux. Theroux hatte die Küsten von England und Nordirland erforscht wie ein Entdecker, der aus einer anderen Zivilisation ocler einem anderen Kontinent stammte. England war nicht gut weggekommen dabei - vielleicht wegen der dort herrschenden Gewohnheit, bedrohliche und gefáhrliche Anlagen wie Kernkraftwerke, Abfalldeponien oder Waffenplátze an die Küste abzuschieben. Ich wuBte, daB mich kaum dergleichen erwarten würde. Viele Grenzzonen der Schweiz waren ausgesprochen urtümlich - abgelegene, dünn besiedelte, naturnahe Gebiete wie der Jura oder die Táler des Tessin. ich würde groBe Strecken zu FuB absolvieren müssen. aber das schreckte mich nicht. Wer wanderte, blieb der Landschaft auf der Spur, blieb náher an Háusern und Menschen, erlebte die Distanzen so wie die Menschen, die diese Grenzen einst festgesetzt hatten: als Wegstunde, als Tagesmarsch. Ich machte már keine Illusionen, daB sich dieser Vorsatz im Süden des Landes würde ausführen lassen. Ich war kein Bergsteiger, kein Kletterer, und meine Bergwanderungen hatten mich höchstens auf dreitausend Meter Flöhe geführt, Vor einigen Jahren hatten Kollegen von Radio Bern die Schweiz auf einer Direttissima entlang Kilometer .160 des Koordinatennetzes durchquert. Die Rout.e hatte tollkühne Klettereien abverlangt, die nur in der Gruppé möglich waren. Für mich stand fest, daB ich alléin losziehen würde. Die Optik des Alleinreisenden sah anders aus als diejenige der Gruppé. Wer alléin reiste, schloB sich eher auf, paBte sein Tempó dem Land, den Ereignissen an. Ich würde mir Zeit nehmen. würde bleiben, wenn mir ein Dorf oder ein Stádtchen gefiel, aber ich würde sehr vorsichtig mit Sehenswürdigkeiten umgehen: keine Umwege für Kirchen oder Schlösser, keine Baedekerstops. Das Reisen mit Jahreszahlen, die Kunstreise, die gastronomische Reise - all dies ergab eine spezielle Optik (ich hatte mich schon verschiedentlich darüber gewundert, mit welcher Beflissenheit die populáren Reisehandbiicher Klöster, Schlösser und Museen aufführten, als würden Herr und Frau Jedermann in den Ferien plötzlich zu begeisterten Kunsthistorikern, zu gliihenden Bewunderern einer Kultur, die sie im Alltag cloch einen Dreek interessierte). Ich hatte wenige Wochen vor meiner ersten Reise in der Zeitung von einem Winterthurer Bildhauer gelesen, der mit seinem fünfjáhrigen Haflinger der Grenze entlang geritten war. Aber das Problem mit Parforceleistungen war, daB nur noch die Leistung záhlte. Wer sich einen Rekord vornahm, dachte nur noch an die Eintragung im Guinnessbuch: wer Seiltánzertricks zum besten gab, blieb mit dem Blick an Seil und FüBen kleben. Es gab eine ganze Menge anderer, wichtigerer Dinge zu iiberlegen: AVo begann ich, und in welcher Himmelsrichtung zog ich los? Wann war der