Bővebb ismertető
Es war so kalt am Fluß Anadyr wie nirgendwo sonst auf der Welt. Von tiefem Schnee bedeckt das ganze Land und bis zum Grund gefroren der Strom. Zu Eis erstarrt ist der Saft in den Fichten, hin und wieder zerspringen Stämme mit lautem Knall. Das fahle Mondlicht wirft grauen Schimmer in den Wald. Hundert Tage im Jahr berührt ihn kein Sonnenstrahl, nur für den kurzen, hellen Sommer erwacht hier das Leben.
Nicht am Nordpol oder am Südpol herrschen im Winter die tiefsten Temperaturen, sondern hier im Nordosten von Sibirien, wo sich die Flüsse Anadyr, Omolon und Kolyma begegnen. Jede der zerzausten Tannen und buckligen Birken ist hundert Jahre alt oder mehr. Sie haben nur wenige Wochen zum Wachsen, und Stürme von unvorstellbarer Gewalt peitschen fast jeden Baum zum Krüppel und zwingen viele in bizarre Formen. Büsche und Gestrüpp liegen unter festgefrorenem Schnee begraben. Wenn nidit gerade ein Stamm birst, herrscht völlige Ruhe in der eisigen Wildnis, und sie scheint leblos zu sein. Die Natur jedoch hat eine erstaunliche Vielfalt großer und kleiner Tiere ausgerüstet, um in tiefster Kälte zu bestehen. Körner und Gräser, Nüsse, Moos und Tannenzapfen bieten ihnen Nahrung, und sie selber sind Beute der Raubtiere. Es gibt sogar Menschen in der rauhen, monatelang verdunkelten Wildnis. Nicht sehr viele, sondern nur kleine Gruppen mongolischer Stämme, den Eskimo nahe verwandt, die winters von der Jagd leben und im Sommer vom Fischfang. Ständige Wohnplätze haben sie nicht, sie hausen mal hier und mal dort, in Erdhütten oder Zelten aus Rentierfell. Seit ungefähr hündert Jahren sind auch Russen in diese Welt vorgestoßen, Kosaken im Dienst des Zaren und mit ihnen jene Unglücklichen, die man auf Lebenszeit ans Ende Sibiriens in die Verbannung schickte.
Vier lange Schlitten, jeder von einem halben Dutzend zahmer Rentiere gezogen, bewegen sich durch die düstere Landschaft. Sogar im Halbdunkel sind die Dampfwolken ihres Atems zu sehen, und man hört das Knacken ihrer Gelenke. Ein seltsames Geräusch, nur bei Rentieren vernehmbar und bei ihren wilden, viel größeren Vettern, den Karibus. Sie tragen einen faustdicken Winterpelz und darunter eine ebenso starke Fettschicht, daher spüren sie nichts von der furchtbaren Kälte. Ihre weitverzweigten Gehörne sdiwanken bei jeder Bewegung, und vom Hals der Bullen flattert die weiße Mähne. Der Altschnee hat sich gesetzt und ist so hart, daß die Schlittenkufen nur fingerbreit einsinken. Glatt und ruhig verläuft die Reise durch die beständige Nacht.
Als Straße dient der gefrorene Fluß. Es ist bequemer, seinen Windun-