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Kompaß-Bücherei Band 264
NEUES LEBEN
In den Morgenstunden des 21. Juni 1941 meldet sich der frischgebackene Leutnant Nikolai Plushnikow in seinem zukünftigen Einsatzort, der Brester Festung, zum Dienst. Noch ist er in den Listen der Besatzung nicht erfaßt, da wird sein Einsatzort zur Front. Es ist Krieg. Trotz hartnäckiger Gegenwehr wird die Festung von den Deutschen genommen. Doch die Besatzung kapituliert nicht, die Verteidiger haben sich in die Keller und Kasematten zurückgezogen und leisten weiter Widerstand. Einer von ihnen ist Leutnant Plushnikow, der nach dem Tod der anderen fast ein Jahr ' allein weiterkämpft: körperlich aufgerieben, doch mit dem festen Willen, nicht besiegt zu werden.
Erster Teil
1
In seinem ganzen Leben hatte Kolja Plushnikow nicht so viele angenehme Überraschungen erlebt wie in den letzten drei Wochen. Den Befehl, ihm, Nikolai Petrowitsch Plushnikow, den militärischen Rang eines Leutnants zuzuerkennen, hatte er seit langem erwartet, aber dieser Beförderung war eine angenehme Überraschung auf die andere gefolgt.
Anschließend an den Morgenappell, auf dem der Befehl verlesen wurde, hatte man sie sofort in die Bekleidungs- und Ausrüstungskammer geführt. Nein, nicht in die für Kommandeursschüler, sondern in die langersehnte, in der die herrlichen Chromleder Stiefel, blitzblankes Koppelzeug, feste Pistolentaschen, Feldtaschen mit weichem, durchsichtigem Kartenteil, Uniformmäntel mit Knöpfen darauf und streng geschnittene Feldblusen ausgegeben wurden. Danach waren sie, alle Absolventen, zur Schneiderei gerannt, um die Uniformen genau auf Taille und Maß bringen zu lassen — die Uniformen sollten doch hauteng anliegen. In der Schneiderei hatte es ein Gedränge und Geschubse und so viel Gelächter gegeben, daß der schmucklose emaillierte Lampenschirm unter der Decke zu schwingen begann.
Abends dann hatte der Leiter der Schule jedem zu seinem Abschluß gratuliert und jedem den Dienstausweis eines Kommandeurs der Roten Arbeiter-und-Bauern-Armee und eine gewichtige TT-Pistole ausgehändigt. Ohrenbetäubend laut hatten die schnurrbartlosen Leutnants die Nummer ihrer Pistole gebrüllt und die trockene Hand des Generals mit ganzer Kraft gedriickt. Und auf dem Bankett hatten sie die Kommandeure der Ausbildungszüge begeistert in die Luft geworfen und mit dem Stabsfeldwebel schnell noch alte Rechnungen beglichen. Letzten Endes ging aber alles gut aus, und dieser Abend — der wundervollste Abend seit eh und je — begann und endete festlich.
Es war in der Nacht nach dem Bankett, als Leutnant