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PrologAm 3. November 1959 wurde das Straflager in Brogula auf der Halbinsel Kola im Nordwesten Rußlands offiziell von der Gulag-Verwaltung in Murmansk geschlossen. An jenem Morgen versammelten sich die Gefangenen zum letzten Mal auf dem Appellp\?itz, und zum letzten Mal wurden ihre Namen in dem langen Zeremoniell aufgerufen, das seit der Errichtung des Lagers in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts jedem Werktag vorangegangen war. Die Lagerfahne wurde eingeholt und als Zeichen für den schändlichen Vorfall im Lager verbrannt. Die Hunde wurde erschossen. Die Gefangenen, Männer und Frauen, mußten sich in Marschkolonnen aufstellen, und die Tore mit den knarrenden Scharnieren wurden geöffnet. Während Wachen von Baracke zu Baracke liefen und brennende Holzscheite durch die Fenster warfen, wurde der letzte Marschbefehl erteilt.In dem Vierteljahrhundert seiner Existenz als Goldminenlager mit verschärften Bedingungen war die Zahl der Gefangenen in Brogula niedrig, die Fluktuation jedoch hoch gewesen. Die überfüllten Minenschächte in den bitterkalten Bergen hatten alljährlich Tausende von Gefangenen das Leben gekostet. Männer und Frauen waren an kältebedingtem Herzstillstand gestorben, an Tuberkulose, Erschöpfung und Verzweiflung. Das Lager, das zu jeder Zeit neuntausend zeks (Gefangene) haben mußte, hatte jedes Jahr bis zu zweitausend Ersatzgefangene benötigt. Im Durchschnitt haben die Gefangenen in Brogula kaum mehr als vier Jahre überlebt. Die Strafverbannung in ein Lager mit verschärften Bedingungen betrug durchschnittüch fünf bis zehn Jahre.