Bővebb ismertető
Der Pole Tadeusz Rözewicz, geboren 1921, Lyriker, Erzähler und Dramatiker, ist kein bequemer Schriftsteller. Seine strenge, moralistische Auffassung von der Rolle der Literatur, seine Abneigung gegen literarische Unver-bindlichkeit und gegen literarische Moden sind sicher eine Ursache dafür, daß seiner kurzen Prosa wie seiner Dichtung jedes Zugeständnis an den sogenannten Publikumsgeschmack abgeht. Ungeachtet dessen vermag sich Rözewicz Gehör zu verschaffen für das, was er zu sagen hat: für die Erlebnisse eines Mannes, der aus einer behüteten, aber ärmlichen Provinzwelt in die „Geschichte", den zweiten Weltkrieg, gestoßen wurde, dem Krieg und Faschismus die Jugend raubten und der fast zwanzig Jahre lang nicht über das hinwegkam, was er erlebt hat. Seine Krise und ihre Überwindung, die sich u. a. in der ununterbrochenen Suche nach dem Antlitz des Menschen manifestierten, bilden den Kern der Kurzprosa Rözewicz', die auf ästhetische Verzierung ebenso wie auf heroisches Pathos verzichtet. Diese Kurzprosa - Arbeiten aus den letzten fünfzehn Jahren - wird hier mit acht Beispielen vorgestellt, in denen sich echte Erzählkunst mit autobiographischem Bekenntnis und grüblerischer Meditation mischt.
Es sind wohl die Ehrlichkeit und moralische Sensibilität des Autors, die seine Darstellung so authentisch machen und ihm über Polens Grenzen hinaus Leser gewannen, bei denen historische Erfahrung das Verständnis seines Anliegens unterstützt.
Gerettet
Unlustig schleppte er sich nach Hause. Es war heiß. Aus der Gosse stank es nach Spülicht und Seifenlauge. Er machte sich Vorwürfe, daß er so gedankenlos in der Stadt umherstrich, aber anstatt nach Hause zu gehen, ließ er sich weitertreiben. Die Zeitung hinter der Kioskscheibe war zusammengefaltet, und Henryk vermochte nur einen Teil der Meldung zu entzifiern: „An der Ostfront keine besonderen Vorkommnisse, von örtlicher Kampftätigkeit abgesehen. Heute morgen versenkten schnelle Kampfverbände im Nördlichen Eismeer zwei Handelsschiffe mit insgesamt 6000 Bruttoregistertonnen. In der Nacht vom 4. zum 5. Juni wurden die Hafenanlagen von Algier bombardiert "
Henryk überflog die Zeilen und ging weiter. Als er am Laden des Schlächters vorbeikam, eines Bekannten, schaute er kurz hinein. An den Haken hing kein Fleisch, doch es roch süßlich nach warmem Blut. Am Ladentisch standen Frauen. Henryk entfernte sich, kehrte wieder um, wechselte mehrmals die Straßenseite. Er hatte Knochen und ein Pfund Grützwurst kaufen wollen, auf Kredit, aber er genierte sich vor den Frauen im Laden. Die Füße in den fest geschnürten Stiefeln brannten, er wischte sich den Schweiß von der Stirn. Aus dem Schaufenster lachte ihm ein rosa Gipsferkel entgegen. Die Frauen machten keine Anstalten, den Laden zu verlassen, und so ging er weiter. Als er sich der Mauer