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EINLEITUNG
DerMensch unserer heutigenZeit lebt von einem Überangebot an Bildern und in einer Reizüber-flutung von Geráuschen, Stimmen und Wörtern, die ihn im Innersten gefáhrden. Sein Menschsein ist bedroht. Er findet sich ofl im Vielerlei der Eindrücke nicht mehr zurecht. Er verliert Leit-linien und Vorbilder, die ihm bisher Mafi und Mitte waren. Es ist tragisch. In dieser Inflation der Bilder und Wörter, durch die perfekte Tech-nik produziert, vergibt der Mensch selbst die Kraft zu sehen und verlernt er die Sprache, noch mehr, er verfállt in eine erschütternde »Stumm-heit«.
So ist das betende Psalmwort von IngeborgBach-mann zu verstehen, das diesem Buch seinen Titel gibt: »In meine Stummheit leg ein Wort!« Die erschütternde Unfáhigkeit des heutigen Men-schen, sich zu artikulieren und in der Tiefe aus-zusagen, wird in diesem Wort anerkannt. Aber mit dem deutlichen Unterton eines dringlichen Flehrufs kommt in dieser Bitté auch die Sehn-sucht zum Vorschein, die Schwelle der »Stumm-heit« zu überschreiten und neu zur Sprache, neu zum wesentlichen Wort zu finden. Es liegt diesem Anliegen das Bewufítsein zugrunde, dafi im ge-hörten und gesprochenen Wort der Mensch zu seinem eigentlichen Menschsein gelangt und da-mit zu Gott, der das Ur-wort selbst ist. Zur Heilung und Rettung des bedrohten Men-schen - seine Sprachkrise und seine Gebetsnot sind Symptome seines Zustands - gehören die