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Tagebuch: Aachen, 24. Juli 1789
Den Mittag in Bei OeiP kam das Gespräch auf meine Veranlassung auf Materien des Staatsrechts. Dohm^ behauptete, der Zweck des Staats müßte allein Sicherheit sein. Ich machte die gewöhnlichen Einwürfe: die Einschränkung sei unnütz, weil man die Freiheit auf andre Weise schützen könne, schädlich, weil zu besorgen sei, daß sie selbst der Freiheit schade, und weil sie auf einen zu eingeschränkten Gesichtspunkt führe. Das, was der Staat immer vor Augen haben, nie aus dem Gesicht verlieren müsse, sei das Wohl des Bürgers als Menschen. Dies Wohl aber sei in dieser Rücksicht das, was jeder einzelne dafür halte - folglich die uneingeschränkteste Freiheit. Wahl des Zwecks und der Mittel müsse also immer bei jedem einzelnen stehn, der Staat müsse nur die Anwendung der Mittel möglich und noch mehr leicht machen, dies aber schlechterdings auf jede Weise, nicht bloß durch Verschaffung von Sicherheit, sondern auch durch andre Veranstaltungen und Einrichtungen. Allein ich sah bald, daß ich Dohm anfangs nicht ganz verstanden hatte, daß seine Ideen gar nicht gewöhnlich, vielmehr ganz neu, und vortrefflich - wenigstens höchst interessant waren. Seine Hauptidee war: alle Mittel, welche die Menschen zu Erreichung ihres physischen, intellektuellen und moralischen Wohls anwenden, gedeihen besser ohne als mit Zumischung des Staats; so Ackerbau, Fabriken, Handel, Aufklärung, Sittlichkeit. Um dies recht einzuprägen, machte er bloß Sicherheit zum Zweck des Staats. Also war auch bei ihm, wie bei mir, die höchste Rücksicht immer Wohl des Menschen, in dieser Beziehung ungestörte Freiheit aller Handlungen. Nur weil jene Idee ihm so wichtig war, vergaß er manchmal im Gespräch, diese gehörig anzudeuten. Daher daß ich ihn nicht gleich verstand. Er sagte mir, wenn er nur Zeit hätte, so wollte er hierüber schreiben, erst historisch untersuchen, was wohl die Menschen in den verschiednen Zeitaltern bei Gründung der Staaten beabsichtigt hätten, und dann daran knüpfen, was sie vemünfti-gerweise beabsichtigen sollten. Dohm, Stuve^ und ich stritten lebhaft. Die übrigen nahmen keinen Teil daran. Wiesel schien mir aufmerksam. Dohm entwickelte seine Ideen vortrefflich, gab aber - was den meisten beim Streiten fehlt -