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VORWORT ZUR ZWEITEN AUFLAGE
Das günstige Echo, das die „Ingenieurgeologie und Geoteohnik" bei ihrem Bischeinen in der gesamten Fachwelt des In- und Auslandes gefunden hat, und die Tatsache, daß dieses umfangreiche Werk innerhalb weniger Monate vergriffen war, rechtfertigt die erweiterte Neuauflage nach verhältnismäßig kurzer Zeit. Infolge der Aktualität des Inhaltes ist es ein unentbehrlicher Ratgeber als Handbuch und Nachschlagewerk der Baugrund- und Baustofflehre der natürUchen Fels- und Lockeigesteine auf dem umfassenden Gebiet der Geotechnik geworden, das die \^-ichtigen Beziehungen zwischen Bauraum (Baugrund und Baustoff) und Bauwerk für die Technik in den festigkeitsverändernden Einflüssen, damit in ihren Wechselbeziehungen zwischen Stoff (Baugrund, Erdbaustoff) und Kraft (Beanspruchungen, Belastungen) zu deuten versucht und dabei die praktische Anwendung für die Geotechnik mit ihrem viele Disziplinen umfassenden Geltungsbereich darstellt.
Sein baldiges Wiedererscheinen ist aber auch eine Notwendigkeit, um die wachsende Bedeutung der Geotechnik, der wichtigsten technischen Disziplin auf dem Berührungsfeld der Technik mit der Erde, zu untermauern. Die Geotechnik ist nicht weniger bedeutungsvoll als die Geographie und Geologie als festumrissene Lehrgebiete und im Zeitalter kurzfristiger raumgreifender baulicher Veränderungen der Erde entscheidend wichtig. Sie umspannt alle Teilgebiete der verschiedenen Fachdisziplinen, die den vorhandenen Gleichgewichtszustand der Erde durch planmäßig gelenkte Baumaßnahmen ändern. Ihre erschöpfende DarsteUung stützt sich auf die Ingenieurgeologie, die die Grundlagen in den Teilgebieten Geologie und Erdbaumechanik behandelt. Ihre wissenschaftlich-praktische Ausdeutung und Anwendung erfährt sie jedoch im Blickfeld und durch den Aufgabenkreis des Ingenieurs.
In diesem Zusammenhang verdienen die Ausführungen des bedeutenden Baugrundforschers A. Casagrande in seinem Generalbericht zu den Proceedings des 3. Internationalen Kongresses für Erd- und Grundbau in Zürich 1953 volle Beachtung:
,,Ohne darüber zu diskutieren, ob die Ingenieure oder Geologen die Väter der Bodenmechanik sind, herrscht wohl darüber Einigkeit, daß die Bodenmeclianik gut zu den Wissenschaften über die Erde hinzugezählt werden kann neben ihrer Stellung als eine der Disziplinen der Ingenieurwissenschaft. In Erkenntnis dieser Sachlage haben die europäischen Kollegen logischerweise hierfür den Ausdruck ,,Geotechnische Wissenschaft" oder ,,Geotechnik" geprägt und fassen damit alle Ingenieur- und geologischen Wissenschaften, die noch durch physikalische und chemische Teilgebiete ergänzt werden, in einer Gruppe zusammen, die dazu bestimmt ist, dem Ingenieur bei der Ausführung von Erdbauwerken und Gründungen zu helfen. Dieses gesamte Gebiet überschneidet sich mit mehreren Disziplinen, die früher getrennt für sich bestanden haben."
Die hierfür entscheidende Bedeutung der Geotechnik als praktischer technischer Disziplin rechtfertigt ihre besondere Abgrenzung und die besondere Betonung dieser Disziplin als selbständigen Lehrgebiets an den hierzu berufenen technischen Hochschulen, um dem angehenden Ingenieur und Techniker vor allem das in der Praxis unentbehrliche Rüstzeug zu vermitteln.
Noch mehr als bei der ersten Auflage liegt daher das Schwergewicht der Stoffbehandlung auf der Geotechnik. Geotechnik als eindeutige technische Disziplin gründet sich vor allem auf Erfahrungen. Hier spricht der Ingenieur, der die Problematik der Technik beherrscht und meistert, nicht der Geologe. Die Ingenieurgeologie als Grundlagenwissenschaft tritt zurück, ihr fällt die Grundlagenforschung zu, zu der auch die Geologen berufen sind.
Die Einteilung der Gesteine als Werksteine des Baugrundes und Erdbaustoffe in feste (daueifeste) und veränderlichfeste (bedingt oder wechselfeste) hat sich bewährt und wird von den FachkoUegen und besonders auch von Geologen immer mehr angewandt.