Bővebb ismertető
Selten oder nie hat sich ein groBer Dichter aus so zwiespáltigen Anfangen herausarbeiten müssen. Vieles von dem, was uns heute an Rilkes frühester Lyrik, an Mir zur Feier oder an Larenopfer als allzu zeitbedingt erscheint, mag sehr einfach erklárt werden durch einen Hinweis auf die Herkunft, auf das abgestandene literarische Treibhausklima des altén Prag, in welchem der junge René Maria Rilke herangewachsen ist. Für den Kenner der Verháltnisse ist es nicht schwer, die Zusammenhánge aufzuweisen, die das Frühwerk Rilkes mit dem Schaffen des neun Jahre álteren, bei den Zeitgenossen so erfolgreichen Prager Literaten und Frauenarztes Hugó Salus verbinden, ganz zu schweigen von den Abhángigkeiten, die in den Bereich der deutschen Romantik und Nachromantik, aber auch zu den französischen Parnassiens führen. Die Situation der Prager Schriftsteller des fin de siécle ist geprágt durch das Bestreben, die dürftige Sprachgrundlage, die das von einer isolierten Minderheit gesprochene Prager Deutsch bildete, stilisierend aufzuhöhen. Darin trafen sich - historisch gesehen - die Prager Dichter zwanglos mit dem preziösen Stilwillen des gesamteuropáischen literarischen Jugendstils. Und so gesehen bringen sie es dann - gerade aus ihrer Isolierung heraus - sogar zu zeittypischer Reprásentanz. Das ist für den heutigen Betrachter allerdings eine Reprásentanz im Negativen, denn wáhrend auf dem Boden der Kunstgeschichte der Jugendstil lángst historisch gesehen wird und für uns noch in seinen durchschnittlicheren Leistungen eine Art von rührendem Charme entwickelt, reagieren wir auf die parallelen Erscheinungen im Bereich der Literatur in der Regei mit unreflektierter Aversion, als ob diese Phase des forcierten Stilwillens und des ásthetizistischen Glaubensersatzes immer noch erst