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Vorwort zur 2. Auflage
Seit der 1. Auflage dieses Buches sind mehr als 10 Jahre vergangen. War damals die Intensivmedizin vorwiegend anästhesiologisch und internistisch geprägt, so gibt es heute wohl kaum mehr ein Gebiet der klinischen Medizin, das nicht in die Entwicklung der Intensivtherapie in irgendeiner Form integriert und von ihr auch befruchtet worden wäre.
Bei der Neuauflage dieses Buches war es daher unser Anliegen, diesem evolutionären Geschehen Rechnung zu tragen und breit interdisziplinär zu fächern. Neues wurde mit aufgenommen, die in der 1. Auflage enthaltenen Titel wurden nicht nur aktuell adaptiert, sondern fast durchwegs völlig neu bearbeitet. Der Titel, das Grundkonzept und die Hauptabschnitte des Buches haben aber, nicht zuletzt auch als Ausdruck unserer Verbundenheit mit unserem allzufrüh verstorbenen Freund Rudolf Kucher, keine grundsätzlichen Veränderungen erfahren.
Im ersten Teil werden die organisatorischen und baulichen Belange einer Intensivstation besonders ausführlich behandelt. Insbesondere wird dabei versucht, ein umfassendes Organisationskonzept für die gesamte Intensivmedizin anzubieten. Aus dem folgenden zweiten Abschnitt über allgemeine Probleme der Intensivmedizin sei besonders auf die Aktualisierung und Erweiterung der Kapitel „Apparatives Monitoring" einschließlich Sicherheitsproblemen und Computerunterstützung sowie „Patientenüberwachung" hingewiesen. Daneben wurde auch der Versuch unternommen, die oft widersprüchliche Problematik der „Hygiene" auf Intensivstationen auf den neuesten Stand zu bringen. Beim so wesenriichen Abschnitt über die „Beatmung" wurde ein Kapitel über die Atem- und Inhalationstherapie völlig neu hinzugefügt; die schon in der 1. Auflage bestehende Differenzierung zwischen technischem und klinischem Teil wurde vertieft und die Beatmung von Neugeborenen und Kleinkindern getrennt ausführlich abgehandelt.
Die Bearbeitung weiterer Themen aus der pädiatrischen Intensivmedizin wurde bewußt unterlassen. Einerseits glauben wir nämlich, daß die Neonatologie ein besonders spezialisiertes Gebiet darstellt, welches -abgesehen von der primären Reanimation des Neugeborenen, die im dritten Abschnitt des Buches neu mit abgehandelt wird - nur für neonatologische Zentren relevant sein, also nur einen sehr spezialisierten Kreis interessieren wird; zum anderen liegt in der 1981 veröffentlichten letzten Auflage des „Lawin" auch eine
überaus kompetente Abhandlung über das gesamte Thema der pädiatrischen Intensivmedizin von DanGEL aus jüngster Zeit vor.
Die beiden Dialysekapitel aus der 1. Auflage haben wir im Gegensatz zur Gruppe internistischer Intensivmediziner um schölmerich auch in der Neuauflage bewußt beibehalten. Die engen Wechselbeziehungen zwischen der chronischen Dialyse und der zum operativen Intensivbereich gehörenden Nierentransplantation bedürfen dabei keiner weiteren Erörterung. Wir wollten aber auch und vor allem die Probleme der Akutdialyse in unserer Darstellung enthalten wissen. Sollte doch diese Behandlungsmethode, ergänzt oder ersetzt durch die Hämofiltration, routinemäßig und in Analogie zur prophylaktischen Beatmung möglichst frühzeitig „vor Ort" angewandt, zum täglichen Rüstzeug jedes Inten-sivmediziners gehören.
Die fachspezifischen Aspekte der Intensivmedizin werden im dritten Teil des Buches zusammengefaßt, die Probleme des Intensivkreißsaales, sowohl vom Geburtshelfer als auch vom Anästhesiologen dargestellt, sind, ihrer allgemeinen Bedeutung entsprechend, als neues Kapitel hier mit enthalten.
Der letzte Abschnitt, die Darstellung spezieller intensivtherapeutischer Probleme bei einzelnen Krankheitsbildern, wurde hinsichtlich seines thematischen Umfanges am meisten ausgeweitet. Kapitel so wesentlichen Inhaltes wie: „Akute Abdominalerkrankungen" und „Verbrennungen", aber auch kleinere Abschnitte wie „Maligne Hyperthermie" und auch „Tollwut" sind völlig neu. Das Transplantationskapitel, in der 1. Auflage nur angedeutet enthalten, wurde inhaltlich wesentlich erweitert und nach organisatorischen und klinischen Gesichtspunkten differenziert. Die Problematik einer eigenen Transplantations-Intensiveinheit - solche Einheiten sind an nur wenigen Stellen der Welt realisiert bzw. in Wien in Planung - schien uns dabei wichtig genug, um durch einen profilierten Vertreter der „Transplantationsmedizin" abgehandelt zu werden.
Auf die Abhandlung der „internistischen" Komata glaubten wir verzichten zu sollen, da die intensivmedizinischen Probleme des metabolischen und endokrinen Komas erst kürzlich von der Arbeitsgruppe um schölmerich in der Neuauflage der „Internen Intensivmedizin" 1980 außerordentlich einprägsam durch Meyer zum Büschenfelde bzw. Prellwitz dargestellt worden sind.