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Internationaler Terrorismus
Die deutsche Außenpolitik auf dem Prüfstand
von Hanns W. Maull
Die Terroranschläge gegen Amerika vom 11. September 2001 haben brutal unterstrichen, was vorher bereits zu erkennen war: Prozesse der Globalisierung und ihre Folgen erzwingen eine grundlegende Neuorientierung der Politik auf weltpolitische Zusammenhänge. Dass es bei den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon nicht nur um eine neue Qualität der Bedrohung der USA geht, sondern ganz allgemein um schwerwiegende Verwerfungen und Risiken von Globalisierungsprozessen, zeigen die bereits jetzt erkennbaren, weit reichenden Auswirkungen der Attacken auf die Weltwirtschaftsentwicklung und die internationale Politik, die sich nunmehr an den Magnetfeldern einer neuen weltpolitischen Polarität auszurichten beginnt - der Polarität zwischen Staatlichkeit und gesellschaftlicher Anarchie, zwischen der Zusammenarbeit gegen den internationalen Terrorismus und den Exponenten transnationaler Gewalt.
Als die Internationale des Terrors der - zugleich westlichen und universalen-Zivilisation der Globalisierung und ihrer Führungsmacht Amerika den Krieg erklärte, versanken unter den Trümmern auch die bequemen
Prof. Dr. HannsW. Maull, Lehrstuhl für Außenpolitik und Internationale Beziehungen, UniversitätTrier.
außenpolitischen Illusionen der vergangenen Dekade. Die Bilder vom Einschlag einer zum Marschflugkörper umfunktionierten Passagiermaschine in den zweiten Turm des World Trade Centers und von den Staubwolken über der zerrissenen Silhouette Manhattans sind schon jetzt ebenso zu Ikonen einer neuen Epoche der Weltpolitik geworden wie vor 56 Jahren der Pilz der ersten Atombombenexplosion.
Beide Ereignisse erhellten bei aller Unterschiedlichkeit, nicht zuletzt auch in der Zahl der Opfer, doch jeweils die Ankunft einer neuen und auf neue Weise bedrohlichen Epoche der Weltpolitik mit ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten. Seit dem 11. September steht die Politik weltweit wieder, wenn auch auf andere Weise als zu Zeiten der Weltkriege und des Kalten Krieges, unter dem Primat der Sicherheit -sie muss sich dieser Tatsache mit all ihren Risiken und Chancen stellen.
Eines dieser Risiken besteht darin, dass die Imperative individueller und gesellschaftlicher Sicherheit die freiheitlich-demokratische Binnenordnung der westlichen Staaten aushöhlen und Zug um Zug verkümmern lassen könnten. In diesem Sinne gefährdet der Terror über die Reaktionen, die er auslösen könnte, die Fundamente unserer demokratischen politischen Ordnung.
Die Grenzen zwischen Binnenordnung und internationaler Ordnung
1133/2001
INTERNATIONALE POLITIK