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Terrorismus heute
Die Asymmetrisierung des Krieges
von Herfried IVIünier
ES mehren sich die Anzeichen dafür, dass die Bedrohung durch terroristische Anschläge das politische (und wirtschaftliche) Geschehen der nächsten Jahrzehnte bestimmen wird. Mehr als die kontinuierlich wachsenden Ungleichgewichte zwischen den reichen und den armen Weltregionen sind dafür die sich noch schneller vertiefenden Ungleichheiten in den militärischen Fähigkeiten zwischen den technologisch fortgeschrittenen Staaten und dem „Rest der Welt" verantwortlich. Terrorismus ist nicht, wie immer wieder behauptet wird, eine Waffe der Armen, sondern er ist die Kampfweise der Schwachen. Er hat darin den Partisanenkrieg abgelöst, der während des 20. Jahrhunderts lange Zeit diese Funktion innehatte.
Aber die Ablösung des Partisanenkrieges durch den Terrorismus ist mehr als eine operative Innovation auf Seiten derer, die sich keine militärische Hochtechnologie leisten und keine komplexen Militärapparate unterhalten können: Partisanenkrieg ist eine im Wesentlichen defensive, Terrorismus hingegen eine im Kern offensive Strategie. Partisanen nämlich sind auf die nachhaltige Unterstützung durch die Bevölkerung angewie-
Prof. Dr. Herfried Münkler, geb. 1951, lehrt am Institut für Sozialwissenschaften der Hunnboldt-Universität zu Berlin.
sen, und die erhalten sie nur dort, wo sie mit dieser Bevölkerung ethnisch oder auch sozial eng verbunden sind. Che Guevaras Projekt einer offensiven Ausrichtung des Partisanenkriegs ist im bolivianischen Dschungel kläglich gescheitert.
Die jüngeren Formen des transnationalen Terrorismus dagegen haben sich von der Unterstützungsabhängigkeit durch die Bevölkerung, der auch der klassische Sozialrevolutionäre wie ethnoseparatistische Terrorismus unterlag,' in hohem Maße unabhängig gemacht, indem sie die Infrastruktur der angegriffenen Länder in Waffen verwandelten (etwa Flugzeuge zu Trägersystemen und Kerosin zu Sprengstoff) und ihre Logistik in die Ströme der Schattenglobalisierung einlagerten. Der Terrorist, der lange Zeit dem Partisanen eng verbunden gewesen war und sich selbst als eine von dessen Erscheinungsformen begriffen und dargestellt hatte,^ wurde damit zu einem strategisch selbständigen Akteur. In der medialen Karriere Osama Bin Ladens hat dies bereits seinen Niederschlag gefunden.
Im Partisanenkrieg ging (und geht) es um die Kontrolle und Beherrschung des Bodens, weswegen Carl Schmitt den „tellurischen Charakter" als eines der wesentlichen Merkmale des Partisanen bezeichnen konnte.^ Terrorismus dagegen zielt, jedenfalls wenn er eine eigene Strategie und nicht ein untergeordnetes taktisches