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Unmittelbar nach dem Ende des Kalten Krieges schien eine neue dauerhaíte Weltordnung greifbar nahe. Sie würde - so die zumindest in Európa und Amerika gangige Annahme - von jenen universell gültigen Werten geprágt sein, die ihre philosophische Ausformulierung durch die grófién europáischen Gesellschaftstheoretiker der Neuzeit erfahren habén. Mittlerweile ist von der Entstehung einer Neuen Weltordnung kaum noch etwas zu merken. Als gewichtiges Hindernis zeichnet sich, darauf deutet der Beitrag von Ernst-Otto Czempiel hin, die...
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Unmittelbar nach dem Ende des Kalten Krieges schien eine neue dauerhaíte Weltordnung greifbar nahe. Sie würde - so die zumindest in Európa und Amerika gangige Annahme - von jenen universell gültigen Werten geprágt sein, die ihre philosophische Ausformulierung durch die grófién europáischen Gesellschaftstheoretiker der Neuzeit erfahren habén. Mittlerweile ist von der Entstehung einer Neuen Weltordnung kaum noch etwas zu merken. Als gewichtiges Hindernis zeichnet sich, darauf deutet der Beitrag von Ernst-Otto Czempiel hin, die Aufienpolitik der usa als der einzig verbliebenen Weltmacht ab. Aber auch über die Wertebasis kann man sich nicht so problemlos verstándigen, wie es viele im Westen angenommen hatten. Wohl ist, wie Ágnes Heller und Ferenc Fehér in der allerersten Ausgabe die ser Zeitschrift vor drei Jahren darlegten, die Auseinandersetzung der grófién teleologischen Gesellschaftsentwürfe zu Ende. Aber der Demokratie wird die ideologische Vorherrschaft dennoch nicht kampflos überlassen - vorerst sogar weniger als der auf Privateigentum beruhenden Marktwirtschaft, jenem zweiten gesellschaftlichen Ordnungsprinzip, das laut Fmncis Fukuyama die vor uns liegende geschichtslose Zeit informieren wird. Westlichen Freiheitsvorstellungen werden asiatische Werte entgegengesetzt, die die Gemeinschaft und nicht das Individuum in den Mittelpunkt stellen. Dazu nehmen in dieser Ausgabe zwei asiatische Wissenschaftlerinnen kritisch Stellung, die Prasidentin des philippinischen Institute for Strategic and Development Studies, Carolina Hernandez, und die in Deutschland lebende Koreanerin Eun-Jeung Lee. Steht ein neuer Wettbewerb der Gesellschaftssysteme an? Nicht nur die Vertreter asiatischer Werte sehen es so. In einem ganz anderen Diskurs gewinnt die Vorstellung auch im Westen an Boden. Mit ihr verbinden die einen die willkommene Perspektive einer seit langem fálligen Gesellschaftserneuerung, und zwar nicht in Richtung asiatischen Gemeinsinns, sondern (noch?) stárkerer Betonung des Individuums. Gleichsam spiegelbildlich hierzu sehen die anderen unsere Sozialordnung bedroht. Aber ist globaler Wettbewerb wirklich die grofie nivellierende Kraft? Wie weit láfit er noch eine nationale Gestaltung von Gesellschaft zu? Zu diesen Fragen gibt internationale politik und gesellschaft diesmal vier Autoren das Wort (siehe auch die Ausgaben 3/1995, 1/1996 und 4/1996). Ethan B. Kapstein diskutiert die - spieltheoretisch untermauerte - Beflirchtung, dafi Konkurrenz in einem integrierten Markt zu ungebremstem sozialen Unterbietungswettlauf fiihre, wenn es keine zentral gesetzten Standards gebe. Gmhame Thompson argumentiert, dafi von einer Entmachtung nationaler Politik keine Rede sein könne. Einerseits seien die Volkswirtschaften heute kaum offener als vor 20 Jahren. Andererseits zeigten die fortbestehenden grófién Unterschiede in der Wirtschaítspolitik der einzelnen Staaten, dafi zumal über Verteilung nach wie vor politisch entschieden werde. In die gleiche Kerbe schlágt Andrew Glyn, der im Auftreten politischer Konflikte das zentrale Hemmnis flir eine auf Verteilungsgerechtigkeit zielende Wirtschaítspolitik sozialdemokratischer Provenienz sieht. Die globalisierten Finanzmárkte kámen mit ihrer spekulativen Skepsis lediglich erschwerend hinzu. Aber, das macht Fritz Scharpf in seinem Beitrag deutlich, sie engen auch das Feld der Verteilungsoptionen ein. Volie Sozialstaatlichkeit sei, so Scharpf, weiterhin möglich, aber sie müsse unter den verschárften Konkurrenzbedingungen ökonomisch wetterfester gemacht werden. Die Zeiten sind lange vorbei, als die reichen Industrielánder aus dem ungebrochenen Bewufitsein der eigenen wirtschaftlichen Stárke und des Wissens um den Weg zu ihr daran gingen, die Dritte Welt beim Schliefien der Entwicklungslücke zu unterstützen. Die Wahrnehmung eklatanter Erfolglosigkeit und wachsende Furcht um den eigenen Wohlstand habén die Perspektive einer prospeipg 2/97 Zu diesem Heft / About this issue

Termékadatok

Cím: Internationale Politik und Gesellschaft 2/1997 [antikvár]
Szerző: Carolina G. Hernandez , Ernst-Otto Czempiel , Eun-Jeung Lee Grahame Thompson
Kiadó: Friedrich-Ebert-Stiftung
Kötés: Ragasztott papírkötés
Méret: 170 mm x 230 mm
Carolina G. Hernandez művei
Ernst-Otto Czempiel művei
Eun-Jeung Lee művei
Grahame Thompson művei
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Vélemény:
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