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VORWORT
Die sozialistische Bewegung befindet sich gegenwártig unver-kennbar in einer akutén geistigen Krise. Sie ist sich der Gefahren voll bewufit geworden, welche dem Menschen von einer alles umfassenden Verstaatlichung drohen. Ihre besten Köpfe bemühen sich deshalb darum, Lösungen zu entwerfen, die zugleich sozialistisch und freiheitlich sind, weil sie er-kannt habén, daís heute und in Zukunft nur jene Lösungen als Ziel der Gesellschaftspolitik in Frage kommen, welche die Erhaltung der Freiheit gewáhrleisten. Aber noch hat keines der zu diesem Zwecke entworfenen Systeme innerhalb der sozialistischen Bewegung in weiteren Kreisen Aner-kennung gefunden. Die Aufgabe dieser Schrift besteht nun darin, in systematischer Weise abzukláren, ob überhaupt sozialistische Ordnungen errichtet werden können, welche als freiheitlich bezeichnet werden dürfen.
Die vorliegende Schrift verdankt ihre Entstehung einerseits einem Vortrag, den ich unter dem gleichen Titel im November des vergangenen Jahres in meiner Vaterstadt Bern im Kreise der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft hielt, anderer-seits den Besprechungen im Volkswirtschaftlichen Doktoran-denseminar der Handels-Hochschule St. Gallen. An beiden Orten empfing ich von der Diskussion wertvolle Anregungen, die ich auch hier verdanken möchte.
Ich widme diese Studie meinem Vater zu seinem siebzigsten Geburtstag und möchte ihm damit für seine dauernde An-teilnahme an meiner Tátigkeit im Dienste der ökonomischen Wissenschaft herzlich danken. St. Gallen, Mitte Mai 1948
W. A. Jöhr