Bővebb ismertető
^^enn in Pompeji die scheidende Sonne die Schatten zu verfolgen beginnt, scheint es, als gäbe die antike Stadt ihre unter den Steinen verstummten Stimmen frei. Kleine Eidechsen erwachen aus ihrer Betäubung und zeichnen die unter den letzten Sonnenstrahlen glühenden Mauern mit gleichsam bedeutungsvollen Hieroglyphen. Die Oleandersträucher schicken ihren Lobgesang von Duft und Farben zum Himmel, ungeachtet der herannahenden Nacht, als wäre ihnen jeder Tag der Beginn einer ewigen Morgendämmerung. Einzelne Asphodillstauden richten sich unmerklich höher auf, um dem kommenden Schauspiel besser folgen zu können, das die hohen Zypressen, die für die leiseste Botschaft des Windes empfänglich sind, mit leiditem Schwanken ihrer gezackten Wipfel ankündigen.
Aber in Italien birgt sich das Schauspiel nicht nur in Gräbern und verschütteten Städten, es ist überall gegenwärtig. Die Eroberer, die seit dem 8. vorchristlichen Jahrhundert das Spiel führten - bisweilen auf offener Bühne, bisweilen vorsichtig hinter den Kulissen - und die unauslöschbare Spuren ihrer Gegenwart zurüds-ließen, wurden oft selbst zu in Bewunderung befangenen Zuschauern. So etwa jene großen französischen Herrscher, die auf ihrem Rückzug die ersten zündenden Funken der Renaissance heimtrugen, die Kunst und Geistesleben ihres Reiches so grundlegend wandeln sollten.
Dichter und Künstler der verschiedensten Länder sehen nach einem Aufenthalt auf dem Boden dieses Mittelmeerlandes den Lauf ihrer künstlerischen Entwicklung entscheidend beeinflußt oder gar umgekehrt. Nach einem zweijährigen Aufenthalt in Italien wird Albrecht Dürer gleichsam zum vereinenden Angelpunkt zweier Welten, indem er aus griechisch-römischer Antike und deutsch-mittelalterlicher Überlieferung eine Einheit schafft. Goethe erklärt, in Rom müsse man mehrere Jahrhunderte in pythagoräischer Stille verbringen. Er meint, Sonne und Mond übten hier andere Einflüsse auf den menschlichen Geist aus als irgendwo anders. Für Madame de Staël ist das Forum, «das einen nur so bescheidenen Raum umfaßt und doch so erstaunliche Dinge erlebt hat», ein Beweis menschlicher Größe. Byron beklagt diese untergegangene Pracht mit den Worten: «O Rom, o meine Heimat, Heimat der Seele, Mutter versunkener Reiche, was sind unsere Leiden neben den deinen!»