Bővebb ismertető
Vorwort
Der größte und wertvollste Teil der hier reproduzierten Zeichnungen vom Frühbarock bis zum Klassizismus, die verschiedene Stiltendenzen sowie Besonderheiten der lokalen Schulen repräsentieren, stammt aus der Familiensammlung der Fürsten Esterházy, die dem ungarischen Staat 1867 zum Kauf angeboten wurde. Die im 15. Jahrhundert noch dem Kleinadel angehörende Familie Esterházy stieg im 17. Jahrhundert in die Reihe der vermögendsten und angesehensten Geschlechter Ungarns auf. Fürst Miklós (Nikolaus) Esterházy (1765-1833), Garderittmeister der ungarischen Leibwache, Diplomat und Herr über riesige Ländereien, trug in fast dreißigjähriger Tätigkeit durch systematische und sachkundige Ankäufe den größten Teil der Zeichnungen zusammen. Die Esterházy-Samm-lung von Gemälden, Stichen und diesen Zeichnungen war bereits zu Anfang des 19. Jahrhunderts weithin berühmt. Als Verwalter seiner Kunstsammlung hatte Fürst Miklós Esterházy den Wiener Maler und Kupferstecher Joseph Fischer (1769-1822) engagiert, mit dessen Hilfe er nicht nur kleine Käufe im Ausland tätigte, sondern, bemüht um kunsthistorische Vollständigkeit, auch ganze Kunstsammlungen erwarb. 1804 kaufte er von dem Nürnberger Kunsthändler J. F. Frauenholz die Sammlung Praun mit mehreren hundert wertvollen deutschen und italienischen Zeichnungen aus dem 16. Jahrhundert. Der Kaufmann und Kunstliebhaber Paul von Praun (1548-1616) hatte von 1600 bis zu seinem Tode in Bologna gelebt, wo er beim Sammeln von Kunstwerken durch seine Künstlerfreunde Denys Calvaert und Guido Reni unterstützt worden war. Besonders bereichert wurde die Sammlung italienischer Zeichnungen der Familie Esterházy 1810 durch den Erwerb der Pariser Kollektion des aus Italien stammenden Malers, Kupferstechers und Verlegers A. C. Poggi (1744- um 1836), die ebenfalls Hunderte von Blättern umfaßte und vor allem italienische, niederländische und französische Zeichnungen des 16. und 17. Jahrhunderts enthielt. Ein Teil davon hatte sich früher im Besitz des englischen Malers Joshua Reynolds (1723-1792) befunden; andere wertvolle Blätter gingen auf die Sammlungen Crozat, Mariette, Barnard, Richardson, Lempereur und Bourduge zurück.
1870 konnte der ungarische Staat von der Familie Esterházy 3500 Zeichnungen sowie zahlreiche Gemälde und Stiche kaufen, die bis zur Eröffnung des Museums der Bildenden Künste im Jahre 1906 unter dem Namen Landesbildergalerie im Palais der Ungarischen Akademie der Wissenschaften untergebracht wurden. Im Zeitraum von der Gründung des Museums der Bildenden Künste (1896) bis zur Fertigstellung des Museumsgebäudes konnte die Sammlung weiter bereichert werden. Der Maler István Delhaes (1843-1901), der als Restaurator im Dienste der Fürstenfamilie Liechtenstein mehrere Jahrzehnte in Wien Gelegenheit gehabt hatte, Zeichnungen und Stiche zu sammeln, vermachte dem Museum testamentarisch seine Sammlung, wodurch der italienische Bestand vor allem durch Werke von Vertretern der venezianischen Schule des 18. Jahrhunderts ergänzt wurde. Im Laufe unseres Jahrhunderts konnte die Kollektion der italienischen Zeichnungen des 17. und 18. Jahrhunderts weiter ausgebaut werden, wenngleich die Weltkriege und die Perioden der Wirtschaftskrise für die Ankäufe des Museums Einschränkungen und Zwangspausen brachten. Die Bestandserweiterung erfolgt auch gegenwärtig durch Ankäufe sowie Schenkungen im Inland.
Die für diesen Band ausgewählten Zeichnungen sollen ein Bild von den Proportionen und der Zusammensetzung der Sammlung italienischer Barockzeichnungen vermitteln. Die Schulen und Meister, die in der Zeichenkunst dieser Periode eine führende Rolle spielten - Werke aus Bologna,
5