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VORWORT
Diese Anthologie will einen Querschnitt durch die italienische Literatur der Gegenwart geben. Sie versucht bei aller Subjektivität und Unvollständigkeit, die einem solchen Unternehmen stets anhaften, Bedeutung und Vielfalt dieser Literatur an einer Reihe charakteristischer Beispiele aufzuzeigen.
Mit Ausnahme der aus der italienischen Gegenwartsliteratur nicht wegzudenkenden Alvaro, Brancati, Tomasi di Lam-pedusa und Pavese wurden nur lebende Autoren in diese Anthologie aufgenommen. Fast alle Erzählungen sind nach 1940 entstanden und stammen von Schriftstellern, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg bekannt wurden oder zu schreiben begannen. Die Generation der zwischen 1890 und 1900 Geborenen, die sich schon zwischen den beiden Weltkriegen einen Namen machten, ist mit Alvaro, Bacchelli, Gadda, Pa-lazzeschi und Tecchi schwach vertreten. Namen wie Angio-letti, Baldini, Cecchi, Comisso, Lisi, Manzini und andere fehlen. Dies liegt nicht an einer Voreingenommenheit der Herausgeberin, sondern an der Tatsache, daß diese Autoren bei aller hohen, ja vielleicht unerreichten stilistischen Meisterschaft ihrer Werke in der Literatur der Gegenwart ihre wirkende Kraft verloren haben, da sie die ästhetisierende Literatur der Zwischenkriegszeit repräsentieren, die — ganz dem Kult des Wortes ergeben — in Sphären subtiler Reflexionen J und Gefühle schwebte. Sie eignen sich dementsprechend auch wenig zur Obersetzung in eine andere Sprache. Der Bruch zwischen dieser akademisch-esoterischen Literatur, welche die Epoche der faschistischen Diktatur charakterisiert, und der im Zeichen der Selbstbesinnung und Erneuerung stehenden Literatur jiach 1945 ist in Italien deutlich, wenn auch viel weniger scharf als in Deutschland.
Hier gilt es, sogleich einem Mißverständnis vorzubeugen. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges lastet das Schlagwort
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