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QUATTROCENTO: volle Blütenpracht eines Frühlings! Wohl war vor Mitte des dreizehnten bis zum Ende des vierzehnten Jahrhunderts reiche Frühblüte voraufgegangen. In der Poesie: die sizilianische Schule, der dolce Stíl nuovo, Dante, Petrarca, Boccaccio. In der Kunst: die romanischen und gotischen Meister, Nicola, Giovanni, Andrea, Cimabue, Duccio, Giotto, Simoné. Ein solcher Reichtum, dafi er in der Folgezeit in mancher Weise kaum iibertrofFen, oft nicht einmal erreicht werden konnte. Doch dann bricht der Lenz der italienischen Kunst in seiner ganzen Herrhchkeit durch. Und er gewinnt aus der klassischen Antiké Ordnung, MaB, MonumentaHtát, Stilgefühl; aus dem Griechentum eines Platón und Aristoteles, aus arabisch-christlichem Averroismus und testamentlicher Gnosis die Gedankenwelt; aus eigenem Volkstum Lebenskraft, Poesie und Gesang. In Standesherren und Fürsten entwickeln sich mit edlem Geschmack Prunk und Herrlichkeit. Humanitát eint sich mit natürlichen Anlagen. Der Mensch steht im Brennpunkt des Lebens mit den Festen des Volks, den Aufzügen und Jagden der Fürsten, den Gesandtschaftsempfángen, den groBen Reisen der Kaufleute, feierlichen Gottesdiensten und Prozessionen der Geistlichkeit, an denen alles Anteil nimmt. Zugleich aber auch wird das religiöse Mysterium immer realistischer und irdischer gedeutet, wáhrend befreit von strengeren mittelalterlichen Fesseln die weltliche Phantasie in Zügellosigkeit, in eine márchenhafte, halb mythische Atmosphare wuchert und die groBe ritterliche Epik sich ankündigt: Pulci, Boiardo, Ariosto.