VORWORT
Den 1. Teil seiner „Clavier-Übung", die Sechs Partiten, hat Bach 1731 als Ganzes drucken lassen, nachdem er sie seit 1726 zunächst einzeln nacheinander veröffendichte.
Den 2. Teil ließ er ohne Angabe des Jahres, aber nachweislich 1735 mit dem Titel folgen: (s. Abb. 1)
Bach übertrug damit aufs Klavier je ein Musterbeispiel der beiden Hauptformen der damaügen itahenischen und französischen Orchestermusik. In dem Konzert lässt er nach italienischem Vorbild einen vollen, gleichsam orchestralen Klang mit einem zarten,...
VORWORT
Den 1. Teil seiner „Clavier-Übung", die Sechs Partiten, hat Bach 1731 als Ganzes drucken lassen, nachdem er sie seit 1726 zunächst einzeln nacheinander veröffendichte.
Den 2. Teil ließ er ohne Angabe des Jahres, aber nachweislich 1735 mit dem Titel folgen: (s. Abb. 1)
Bach übertrug damit aufs Klavier je ein Musterbeispiel der beiden Hauptformen der damaügen itahenischen und französischen Orchestermusik. In dem Konzert lässt er nach italienischem Vorbild einen vollen, gleichsam orchestralen Klang mit einem zarten, solistischen konzertieren - in der Notierung gekennzeichnet durch die Vorschriften/orte und piano. In der Ouvertüre, die in einigen Sätzen auch diesen Gegensatz verwertet, folgen dem festlichen Eröffnungsstück, der eigenthchen Ouvertüre, einige französische Tanzsätze und ein den/orte-jpiarao-Gegensatz besonders reizvoll nutzendes „Echo".
Als Erscheinungsjahr des 3. Teils der „Cla-vier-Ubung" ist 1739 bezeugt, wenn auch nicht auf dem Titel. Außer Orgelwerken enthält er vier zweistimmige Klavierstücke in Form großer Inventionen, Duette betitelt. Als Klaviermusik im engeren Sinne wurden sie in den vor-Uegenden Band mit aufgenommen.
Der 4. und letzte Ted, der ebenfalls ohne Jahresangabe, wahrscheinHch 1742, erschien, hat den Titel; (s. Abb. 2)
Das sind die „Goldberg-Variationen", so genannt, weU sie Bach nach dem Bericht seines von den Söhnen unterrichteten Biographen Forkel im Auftrag des kurländischen Grafen Hermann Carl von Keyserlingk, der russischer Gesandter in Dresden war, für dessen außeror-denthch begabten, auch von Bach selbst unterrichteten jugendlichen Klavierspieler Johann GottUeb Goldberg schrieb, damit er den Grafen in schlaflosen Nächten mit einigen Stücken „sanften und etwas muntern Charakters" erheitern könne. Als hierzu geeignetes Thema wählte Bach eine Sarahanden-Aria, über de-
ren harmoniebestimmenden Bassgrund er ein Wunderwerk von dreißig Variationen entfaltet, heitere und besinnliche, kantable und fugierte, tänzerische und virtuose, und zwar in planvoller Folge. Das Ganze ist durch den verschwebenden Schluss der 15. Variation und den energischen Neubeginn der 16., einer Ouvertüre inmitten des Werkes!, in zwei TeUe gegliedert und überdies in Gruppen zu je drei Variationen: jede Dritte ist ein Kanon, wobei die Folge der Kanons stufenweise aufsteigt vom Kanon im Einklang bis zum Kanon in der Nene, bis die letzte Gruppe beschlossen wird durch ein Quodlibet, in das Volksüedzeilen kunstvoll verwoben sind. Ein Schüler Bachs, Johann Christian Kittel, hat auch die Texte überliefert: „Ich bin so lang nicht bei dir gwest" (erstmals zu Beginn der Tenor- und der Oberstimme), „Kraut und Rüben haben mich vertrieben" (zuerst T. 3-4 Oberstimme), „Hätt' mein Mutter Fleisch gekocht, so war' ich länger bUeben" (zuerst T. 7-8 Tenor).
Bach schrieb das Konzert, die Ouvertüre und elf der dreißig Variationen für ein Cembalo mit zwei Klaviaturen. Für eine Anzahl der Variationen ergeben sich freiUch beim Spiel aid nur einer Klaviatur schwierige Verflechtungen der Hände; der /orte-piano-Gegensatz steht aber auch auf der einen Klaviatur des modernen Hammerinstruments zur Verfügung. So können diese Werke auch heutigen Spielern (Bachisch gesagt:) zur Gemütsergötzung dienen.
Für das Italienische Konzert diente als Hauptquelle ein Exemplar der verbesserten zweiten Auflage des Originaldrucks aus der British Library, London. Mit ihr verglichen wurden frühe Abschriften, so diejenige von F. Härtung (Staatsbibliothek Berlin, Preußischer Kulturbesitz, P 215) und die Abschrift aus der Sammlung Mempell-Preller (Musikbibliothek Leipzig Ms. 8), die aber so viele unverbesserte Flüchtigkeitsfehler hat, dass aus ihr offenbar nie musiziert worden ist.
Termékadatok
Cím: Italienisches Konzert, Französische Ouverture, Vier Duette, Goldberg-Variationen [antikvár]
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