Bővebb ismertető
1. Plädoyer für unser System
Die geistige Entwicklung in unserem Lande seit dem Zusammenbruch 1945 kann man in drei Abschnitte aufteilen:
1. Die pragmatische Phase 1945-1965, die bestimmt war durch den Wiederaufbau unseres zerstörten Landes, Eingliederung vieler Flüchdinge und Herstellung internationaler Beziehungen. In dieser Zeit versäumte man über Tagesfragen das Bedenken langfristiger Perspektiven, ja es entstand sogar eine Art ideologischer Prüderie.
2. Die visionäre Phase 1966-Mai 1974, vom Auftreten der außerparlamentarischen Opposition bis zum Scheitern Brandts. Diese visionäre Phase war einerseits bestimmt durch Bedarfssättigung und andererseits durch heftige Auseinandersetzungen über langfristige Perspektiven und ideologische Fragen.
3. Die labile Situation seit Mai 1974, die gekennzeichnet ist durch viele Unsicherheiten: vor allem zunehmende Verschärfung der internationalen und nationalen Verteilungskämpfe, Unsicherheiten des liberalen Welthandels, wirt-schafdiche Rezession, Labilität des Weltfriedens - aber auch durch allseitige Ratlosigkeit über unseren zukünftigen politischen Kurs.
Das Ende der visionären Phase zeigte sich an der Götterdämmerung vor Reformen: Bildungsreform, Vermögensreform, Mitbestimmung, Steuerreform, Entspannung, Demokratisierung usw. Von den gigantischen Visionen, die Brandts erste Regierungserklärung 1969 bestimmt hatten, blieb fast nichts mehr übrig. Bundeskanzler Schmidt sagte 1974:
»In einer Zeit weltweit wachsender Probleme konzentrieren wir uns in Realismus und Nüchternheit auf das Wesentliche, auf das, was jetzt notwendig ist, und lassen anderes beiseite.«
Dieses Scheitern war längst voraussehbar: Zu keinem Zeitpunkt gelang es, den Willen zum Fortschritt mit Vernunft und Sachverstand in Übereinstimmung zu bringen, diese »Progres-
7