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Rüdiger Schmitt
ZUR VOTIVFIGUR EINES MESOPOTAMISCHEN HERRSCHERS UND ZU EINEM TERRAKOTTARELIEF AUS ASSUR
In der Antikenabteilung des Museums für Kunst und Gewerbe befinden sich zwei Stücke, die zwar nicht ausgestellt, gleichwohl aber aufmerksamer Betrachtung würdig sind. Beim ersten der Fundstücke handelt es sich um die grün-bräunlich patinierte Bronzefigur eines stehenden Mannes unbekannter Herkunft (Alter Bestand, Inv. Nr. 1990.67, Abb. 1 — 3). Sie besitzt mit Gußgrat eine Höhe von 10,7 cm, die Breite an den Ellenbogen beträgt 2,5 cm und die mittlere Stärke Hegt bei ca. 0,4 cm. Dargestellt ist ein älterei; würdiger Mann, dessen Wickelgewand die rechte Schulter freiläßt und über den linken Arm herabfällt. Der Saum des Kleides wurde vom Künstler in stilisierter Form teils in vertiefter, teils in erhabener Technik ausgeführt. Die durch wulstartige Verdickungen angedeutete Raffung des Gewandes zieht sich von der Hüfte bis zur Schulter und bleibt auch auf der Rückseite noch deutlich erkennbar. Der Körper der Figur erscheint flach und leicht geschwungen, während Kopf und Füße vollplastisch gebildet wurden. Die Gesichtszüge, Brauen, Augen, Nase, Mund und Ohren sind sorgfältig modelliert, der bis auf die Brust reichende Kinnbart ist glatt gearbeitet. Als Kopfbedeckung trägt der Matin eine konische Mütze mit schmalem Wulstrand. In der linken Hand hält er einen Stab oder ein Szepter. Der angewinkelte rechte Arm, leicht vom Körper weggehalten, wird von einem Reif geschmückt. Die Datierung von Bronzefigürchen aus dem alten Vorderasien fällt in der Regel schwer, da insbesondere im metallarmen Zweistromland viele Stücke wieder eingeschmolzen wurden und heute Vergleichsstücke dadurch zumeist fehlen'. Bei der zeitlichen und geographischen Bestimmung mesopotamischer Bronzefiguren, die in der Mehrzahl der Fälle aus dem Kunsthandel oder
1. Votivfigur, Bronze. Mesopotamien, 2100—1700 v. Chr. Hamburg, Museum für Kunst und Gewerbe