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Die literarische Gattung des Jakobusbriefs
Der Jakobusbrief wird mit einer kurzen Grufíanschrift des Verfassers an die von ihm angesprochenen Leser eröffnet. Weitere Hinweise, dafi hier ein Brief vorliegt, folgen aber im Verlauf des Schreibens nicht mehr; am Ende bricht es zudem ohne BriefschluíS unerwartet ab. Dafí es sich um einen Rundbrief handeln könnte, wie mehrere Fachleute annehmen, Iáik sich aus der Grufianschrift höchstens ver-muten; andere dafür auswertbare Angaben gibt es nicht. Schon Martin Luther hatte unserer Schrift Mangel an Ordnung und Zusammenhang vorgeworfen, ein Vorwurf, der in unserm Jahrhun-dert nie verstummt ist, dem aber auch nur wenige widersprochen habén. Viele Ausleger habén diesen Mangel auf die literarische Gattung des Schreibens zurückgeführt. Es reiht namlich eine grofie Zahl von Einzelermahnungen für das christliche Leben aneinander und ist des-wegen als Paránese = Mahnrede zu verstehen. Áhnliche Mahnschrif-ten waren damals auch im Judentum gebrauchlich. Schon die jünge-ren Weisheitsschriften des AT gehören dieser literarischen Gattung an, wie das Buch der Weisheit und Jesus Sirach. Viele Briefe des NT enthalten ganze Abschnitte, die ebenfalls aus Einzelermahnungen zur Gestaltung des christlichen Alltags zusammengesetzt sind und so die gleiche literarische Gattung vertreten. In den Paulusbriefen bilden die »paránetischen« Abschnitte gewöhnlich den Schlufíteil. Auch eine An-zahl Schriften stoischer Philosophen wie Epiktet und Seneca stellen Mahnreden dar oder enthalten solche.
Zweifellos fehlt unserer Schrift ein durchgehender und fortschreiten-der Aufbau. Eine genauere Prüfung zeigt allerdings, daE ihr Zusammenhang und ihre Einheit gröEer sind, als es dem oberfláchlichen Leser scheinen mag. Der Verfasser hat, wie viele seiner Satze ohne áufiere Verknüpfung nach rückwárts durch Bindewörter zeigen, eine Neigung, »staccato« zu reden, und diese Neigung verrát sich auch in seiner Art, neue Absatze und Abschnitte unverbunden, sozusagen hart einsetzen zu lassen. In vielen Fallen ist aber eine innere Verknüpfung solcher Einsatze nach rückwárts gegeben, oder es wird ein frü-heres Motiv wiederaufgenommen und so ein gröfierer Gedanken-zusammenhang geschaffen. Unser Kommentár sucht solche Zusam-menhange, die machmal auch stilistisch untermauert werden, sichtbar zu machen.