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Vorwort
"Jan Hus und die Hussiten in europäischen Aspekten" lautete das Thema einer exklusiven Veranstaltung, die das Museum der revolutionären Hussitenbewegung in Tabor/ ČSSR in Zusammenarbeit mit dem Museum Hus-Haus Konstanz vom 14. September bis 16. November 1986 im Studienzentrum Karl-Marx-Haus in Trier durchführte. Bei der speziell für Trier erarbeiteten Ausstellung, die auf ein großes Besucherinteresse stieß, handelte es sich um die umfangreichste und bedeutendste Präsentation und Dokumentation des Hussitismus, die von tschechoslowakischer Seite bisher im Ausland gezeigt wurde. Thematische Schwerpunkte waren die Hussitenbewegung im 15. Jahrhundert und die Hussitentradition bzw. -rezeption in der historischen Forschung sowie vor allem in der internationalen Arbeiterbewegung seit der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Zur Eröffnung der Ausstellung am 14. September 1986 hielt Dr. Miloš Drda, der Direktor des Museums in Tabor, einen vielbeachteten Lichtbildvortrag zu dem Thema "Nationales Kulturdenkmal Tabor und das Museum der revolutionären Hussitenbewegung". Die zahlreichen Exponate aus dem Taborer Museum — einschließlich eindrucksvoller dreidimensionaler Objekte, wie Nachbildungen hussitischer Kriegs- und Alltagsgeräte — und die ausgezeichneten informativen Begleittexte vermittelten den Besuchern ein plastisches und anschauliches Bild von einer wesentlichen Erscheinung unserer gemeinsamen europäischen Vergangenheit.
Große Resonanz fand auch das von der Friedrich-Ebert-Stiftung mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes in Bonn und der Staatskanzlei in Mainz am 22. September 1986 im Studienzentrum Karl-Marx-Haus organisierte wissenschafdiche Kolloquium, das dem Ausstellungsthema gewidmet war. Außer den Spezialisten des Museums in Tabor waren rund 30 Wissenschaftler aus der Bundesrepublik angereist, vornehmlich von Instituten und Universitäten in Konstanz, Mainz, Marburg, Bonn, Bochum, Münster und Saarbrücken.
Der erste Kolloquiumsbeitrag beschäftigte sich mit der "Revolutionären Kommune von Tabor 142Ó-1422". Da der Referent, Dr. František Šmahel/Tabor, einer der besten Kenner der eigentlichen hussitischen Epoche, leider persönlich nicht anwesend sein konnte, wurden seine Quellensonden zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Region Tabor von Dr. Jiŕí Koralka vorgestellt. Die von Šmahel untersuchten Quellen geben interessante Aufschlüsse über Entstehung, Wachstum und Differenzierung der Hussitenbewegung im Gebiet von Tabor. In dem anschließenden Referat von Prof. Dr. Ferdinand Seibt/Bochum über "Hussiten und das Problem der inneren Gewalt" wurde vor allem auf vier Fragen abgestellt, die besonders um die Begriffe revolutionäre Bewegung oder Revolution, Reformation oder Vor-Revolution, Protest oder Widerstand, gerechtfertigter Krieg oder geistige wie politische Häresie kreisten. Die von verschiedenen Seiten geführte Diskussion machte besonders den Unterschied zwischen den städtisch-reformatorischen und der ple-bejisch-radikalen Bewegung in den beiden Zentren Prag und Tabor deutlich.
Im zweiten Teil referierte zunächst Dr. Jiŕí Koŕalka/Tabor über "Hussitentradition des 19. Jahrhunderts in der bürgerlich-liberalen und in der Arbeiterbewegung", wobei er vor allem auf die europäisch-internationale und die tschechisch-nationale Komponente in dieser Tradition näher einging. Während die erstere stärker "mit dem bewundernswerten persönlichen Einsatz und der moralischen Integrität des Jan Hus und dem hussitischen