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Japanische Tuschmalereien [antikvár]

 
Dieser Bildband ist einer besonderen und bedeutenden Erscheinung der japanischen Kulturgeschichte gewidmet: der mit dem Zen-Buddhismus verbundenen Tuschmalerei. Vorwiegend handelt es sich dabei um Landschaftsmalerei, die im 15. und 16. Jahrhundert zum führenden Genre der Kunst des mittelalterlichen Japan wurde. Wenngleich hier Werke von zwanzig verschiedenen Künstlern vorgestellt werden, die in unterschiedlichen Epochen, vom 13. bis zum 19. Jahrhundert, lebten, könnten sie beim ungeübten Betrachter durch ihre auf den ersten Blick...
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Dieser Bildband ist einer besonderen und bedeutenden Erscheinung der japanischen Kulturgeschichte gewidmet: der mit dem Zen-Buddhismus verbundenen Tuschmalerei. Vorwiegend handelt es sich dabei um Landschaftsmalerei, die im 15. und 16. Jahrhundert zum führenden Genre der Kunst des mittelalterlichen Japan wurde. Wenngleich hier Werke von zwanzig verschiedenen Künstlern vorgestellt werden, die in unterschiedlichen Epochen, vom 13. bis zum 19. Jahrhundert, lebten, könnten sie beim ungeübten Betrachter durch ihre auf den ersten Blick scheinbare Gleichförmigkeit Enttäuschung hervorrufen. Das an europäische Landschaftskompositionen gewöhnte Auge vermißt die ihm bekannten Bilder und Formen und auch die reiche Farbskala der Ölmalerei. Sowohl das Format dieser Bilder als auch die Technik der Ausführung und viel mehr noch die Stimmung, die sie erfüllt, sind ungewöhnlich. Geschaffen in uns fernen Zeiten, behielten die japanischen Landschaftsmalereien Jahrhunderte hindurch die noch früher in China entstandenen Techniken und Formen bei. Schon allein aus diesem Grunde vermag man heute in ihre Tiefe und ihre Bedeutsamkeit nicht ohne weiteres einzudringen. Im Mittelalter waren im Fernen Osten Ölfarben, Tempera, Blei, Kohle und Kreide ungebräuchlich. Der Maler benutzte weder Staffeleien noch auf Rahmen gespannte Leinwände, sondern er breitete die Utensilien seiner künstlerischen Tätigkeit auf einem niedrigen Tisch oder direkt auf dem Fußboden aus. Er legte eine Rolle Papier oder präparierte Seide aus, zerrieb nach Ton und Konsistenz ausgewählte Tuschfarben auf einem besonderen Stein, löste sie in Wasser und wählte dann aus einer Fülle von Pinseln einen weichen oder einen harten Haarpinsel, mehr oder weniger dicht, spitz oder rund, aus. Der in die Tusche getauchte Pinsel konnte direkt auf das Papier gebracht oder auch zuvor leicht ausgedrückt werden; selbst mit fast trockenem Pinsel konnte man malen. Je nach Neigungswinkel und Druck erhalten Pinselstrich oder Linie eine unterschiedliche Form, Richtung und Vollendung. Nicht unwichtig ist dabei die Raschheit und das Ununterbrochene der Linienführung, denn davon hängen Elastizität und Kontinuität oder umgekehrt die verschiedenartigen Intervalle ab. Manchmal erinnern die Berührungen des Pinsels mit dem Papier an kräftige oder leichte Schläge. Die Qualität des Papiers oder der Seide beeinflußt das Zerfließen der Tusche, den Charakter der Tuschflecken und den Gesamtton des Hintergrundes. Jeder Pinselstrich muß untadelig exakt sein; ihn zu korrigieren ist oft nicht möglich. Daher spielte der in den fernöstlichen Ländern ausgebildete Traditionalismus der technischen Ausführung, die ausdrückliche Kanonisierung einzelner Verfahren, eine so große Rolle: einmal geglückte Lösungen wurden für die Darstellung eines bestimmten Gegenstandes beibehalten. Unter günstigen Bedingungen war eine solche Vorauswahl der beste und kürzeste Weg, zu einer künstlerisch überzeugenden Wiedergabe des Wesens des Gegenstandes zu gelangen. Wenn in der Ölmalerei das Mischen der Farben, das Verschmelzen einzelner Pinselstriche zu einer einheitlichen, farbig vibrierenden Oberfläche große Möglichkeiten für eine illusionistische Wiedergabe der Wechselbeziehungen realer gegenständlicher Formen in Raum, Farbe und Licht schuf, so führte die in Wasser gelöste Tusche, dick oder dünn aufgetragen und auf diese Möglichkeit beschränkt, zu den spezifischen Ausdrucksmitteln der monochromen Malerei - zum Linienrhythmus der Zeichnung und zur abstrahierten Raumdarstellung - und erinnert damit in einem gewissen Maße an die Graphik. Wichtigstes Merkmal der fernöstlichen Malerei ist die Linie, mit deren Beherrschung die Künstler eine fast unbegrenzte Ausdruckskraft erlangen. Das verschiedene Aufdrücken des Pinsels, die bisweilen wie Spinnengewebe feinen und geschmeidigen Strichlagen erhielten entsprechend ihrer Anwendung verschiedene poetische Bezeichnungen. Die in ihrer Vollendung bewundernswerte Linie schafft die Gestalt des Gegenstandes, seine Form, sein Volumen. Die Künstler, die die Linie mit einer feinen malerischen Nuancierung verbanden, vereinigten so gewissermaßen Graphik und Malerei miteinander und bevorzugten für die verschiedenen Genres graphische oder malerische Verfahren. Die malerische Manier, in der ein dichter Tuschauftrag und weiche, wie verwischte Silhouetten vorherrschen und in der sich die Fixierung der Gegenstände dem Hervorheben des Wesentlichen unterordnet, erhielt die Bezeichnung »Ausdruck der Idee<. Die häufig in der >Malerei der Blumen und Vögel < angewendete graphische Manier, die klar die Konturen umreißt und, reich an Details, gleichsam einen Teil des Ganzen widerspiegelt, erhielt die Bezeichnung »Sorgfältiger Pinsel <. Auch das weiße Papier und der goldfarbene Fonds der Seide gewannen ästhetischen Wert: die durchsichtigen Pinselstriche der Tusche, die körnige und geschmeidige Oberfläche der Papier- oder Seidenrolle gestatteten es, den Malgrund für die Wiedergabe der Atmosphäre zu nutzen. Mit nur wenigen Strichen brachten die Landschaftsmaler über- 7

Termékadatok

Cím: Japanische Tuschmalereien [antikvár]
Kiadó: Insel-Verlag Anton Kippenberg
Kötés: Vászon
Méret: 250 mm x 340 mm
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