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Das Buch
Hinterpommern, August 1918. Auf Poenichen wird ein Kind geboren. Freiherr von Quindt, dessen einziger Sohn an der Somme kämpft, läßt die Fahne aufziehen, obwohl es nur ein Mädchen ist, von dem das Vaterland seiner Ansicht nach weniger wissen will. Der natürliche Tod der Quindts war jahrhundertelang der Heldentod oder der Jagdunfall. Der alte Quindt gedenkt der erste zu sein, der in seinem Bett stirbt; aber 1945 wird er die Waffe gegen sich selbst richten, um Poenichen nicht verlassen zu müssen. Sein Sohn hingegen hat sich an die Tradition gehalten und ist in den letzten Tagen des Ersten Weltkriegs gefallen. Maximiliane wächst als Erbin von Poenichen heran, eine pommersche Dorfprinzessin. Mit achtzehn heiratet sie Viktor Quint, einen entfernten bürgerlichen Verwandten, einen NationalsoziaUsten, der von Berlin aus sein Parteibuch schützend über Poenichen hält. Er nimmt es mit seiner Erzeugerpflicht ernst: ein Kind, ein zweites, ein drittes -und am Ende nichts mehr zu vererben
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>Ich möchte was darum geben, genau zu wissen, für wen eigenthch die Taten getan worden sind, von denen man öffentlich sagt, sie wären für das Vaterland getan worden.<
Lichtenberg
Vor wenigen Minuten wurde auf Poenichen ein Kind geboren. Es kniff die Augen fest zu, als wäre ihm das Licht der Morgensonne zu grell, und war nicht einmal durch leichte Schläge auf das Hinterteil zum Schreien zu bringen. Aber: Es bewegte sich, atmete, lebte. Die Hebamme hatte die Länge: 42 Zentimeter, mit Hilfe der Küchenwaage auch das Gewicht: 2450 Gramm, festgestellt und zusammen mit dem Datum, dem 8. August 1918, und der Uhrzeit: 7 Uhr 30, auf dem Formular eingetragen, und nun lag das Kind gewindelt und mit blauem Jäckchen und Mützchen bekleidet in den blaugestickten Kissen der Quindtschen Familienwiege und schlief.
Die Mutter des Kindes, Vera von Quindt geborene von Ja-dow, für zwei Wochen eine Wöchnerin und dann nie wieder, hatte darauf bestanden, daß ihr Kind - zum Zeitpunkt dieser Abmachung allerdings nicht einmal gezeugt - in der Charité zur Welt kommen sollte, wo ein junger unterschenkelamputierter Arzt in der Entbindungsstation arbeitete, einer ihrer Bewunderer, aber als Ehemann nicht geeignet: bürgerlich und ohne Aussicht auf eine baldige Niederlassung in einer guten Wohngegend des Berliner Westens. Aus begreiflichen Gründen war von ihm nicht die Rede gewesen, als diese Abmachung getroffen wurde. Die Erinnerung an den Steckrübenwinter und eine erneute Herabsetzung der Lebensmittelrationen hatten die junge Berlinerin ein pommersches Rittergut mit anderen Augen sehen lassen. Sie war 24 Jahre alt, dunkelhaarig, hübsch, aber unvermögend, und ihre Tänzer waren an der Somme und Marne gefallen, >reihenweise<, wie ihre Mutter zu sagen pflegte. Vera von Jadow hatte unter diesen Umständen und einer Reihe von Bedingungen dem zwanzigjähri-