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JavaSpektrum mit Integrations August/September 2006 [antikvár]

Dirk Mascher, Frank Hubert, Marcel Tilly, Oliver Raible, Thomas Lieder

 
Mal ganz offen! ^ Wer gemeinhin über Opensource ^plaudert, assoziiert damit in der Regel freie Software, wobei unter „frei" weniger „umsonst" im Sinne von „Freibier" zu verstehen ist, als eher Transparenz und Freiheit. Opensource kann im Übrigen neben Softwareentwicklung auch andere wichtige Lebensbereiche beeinflussen, wie WikiPedia.de eindrucksvoll zu untermauern vermag: „OpenCola ist ein Cola-Getränk mit einer einzigartigen Eigenschaft: Das Rezept zur Herstellung ist frei verfügbar und von jedem modifizierbar. Jeder darf das...
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Mal ganz offen! ^ Wer gemeinhin über Opensource ^plaudert, assoziiert damit in der Regel freie Software, wobei unter „frei" weniger „umsonst" im Sinne von „Freibier" zu verstehen ist, als eher Transparenz und Freiheit. Opensource kann im Übrigen neben Softwareentwicklung auch andere wichtige Lebensbereiche beeinflussen, wie WikiPedia.de eindrucksvoll zu untermauern vermag: „OpenCola ist ein Cola-Getränk mit einer einzigartigen Eigenschaft: Das Rezept zur Herstellung ist frei verfügbar und von jedem modifizierbar. Jeder darf das Getränk herstellen und lizenzkostenfrei vertreiben. Solange man sich an die Vorgaben der GNU General Public Li-cense hält, darf man das Rezept auch verändern. Derzeit liegt OpenCola in der Version 1.1.3 vor". (Anm. d. Red: Sollten Sie eher alkoholischen Genüssen zugeneigt sein, möchte ich an dieser Stelle auf die Existenz von Open Beer hinweisen). Aber zurück zum Software Engineering. Der Softwareentwickler kann im Gegensatz zur landläufigen Meinung nicht nur handfeste Softwarepakete wie Linux oder Spring als Opensource nutzen. Softwaremuster gelten als prominentes Beispiel, dass sich auch Best Practices als Opensource betrachten lassen. Gerade an diesem Beispiel zeigt sich aber, there is no free lunch, oder anders formuliert, auch Opensource besitzt Fallstricke. Hier ein paar Aspekte meiner unwiderlegbaren Beweisführung am Beispiel von Mustern: (1) Warum ist denn so oft in Publikationen und Konferenzen von Mustern die Rede? Verleger und Konferenzmanager sind natürlich primär daran interessiert, Bücher, Zeitschriften und Konferenztickets zu verkaufen. Softwaremuster dienen dabei als Mittel, um unschuldige Entwickler hinters Licht zu führen. (2) Muster repräsentieren bekanntlich eine „aggressive Missachtung von Originalität" (Brian Foote). Man entdeckt sie, statt sie zu erfinden. Als Folge bleibt kein Raum für Forschung. Arbeiten Sie im akademischen Umfeld, dürfte das Thema also jetzt für Sie erledigt sein. (3) Sie sind aber in der freien Wirtschaft tätig und Ihr Chef bat sie unlängst, Sie mögen Ihr Wissen in Form von Mustern dokumentieren? Bad News! Glauben Sie ernsthaft, jemand wäre an Ihren Fähigkeiten interessiert? Im Hintergrund lauern neue „Green Card"-Besitzer, die bald Ihre Position übernehmen sollen. (4) Sie als alter Hase wissen natürlich, dass Patente fürs heutige Business essenziell sind. Wo aber würde ein potentieller Industriespion am ehesten nach Geschäftsgeheimnissen suchen? Richtig, in den Entwurfsdokumenten und im Code! Falls eines der beiden gut lesbar ist, dürfte es auch kein Problem darstellen, Ihre Ideen zu stehlen. Daher „verunreinigen" Sie Ihre Architektur lieber durch unsymmetrisches und kompliziertes Design, statt das Leben der Industriespione durch den Einsatz von Mustern zu erleichtern. (5) Sie kennen den Kulturschock, wann immer Sie sich im Rahmen eines Projekts mit einer Domäne beschäftigen? Fachexperten neigen dazu, eine große Mauer aus Fachchinesisch um sich zu errichten. Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen ist kein Experte interessiert, dass der Rest der Welt ihn versteht, und zum anderen eignen sich fachliche Verbalrundumschläge hervorragend dazu, um den Realitäten der wirklichen Welt zu entgehen. Was das mit Mustern zu tun hat? Muster gehören zum Fachchinesisch der Softwareentwickler! (6) Wie Sie wissen, repräsentieren Muster lediglich Blaupausen und keine Implementierungen. Beim Lesen einer Musterbeschreibung entdecken Sie in der Regel unzählige Implementierungsoptionen und Varianten. Mit anderen Worten: Muster verdecken die Komplexität ihrer Implementierung hinter einer scheinbar deterministischen Entwurfswolke. Daher führt ihre Nutzung bisweilen zu traumatischen Zuständen. (7) Was denken Sie über Karl Marx und George Orwell? Die von bei- den propagierte Gleichheit gilt für jede Gesellschaft als ein wichtiges Ideal. Das Streben nach völliger Gleichheit erweist sich hingegen als kontraproduktiv. Das orthogonale Nutzen derselben Muster in ähnlichen Kontexten entspricht aber genau diesem Streben nach völliger Gleichheit. Den Rest können Sie sich jetzt selber denken. (8) Wundern Sie sich nicht darüber, dass man die Autoren des berühmtesten Musterbuchs „Gang of Four" nennt. Dieser Begriff hat aus einer historischen Perspektive betrachtet nicht nur positive Aspekte. Glauben Sie also immer noch, dass dieser Kosename ohne Hintergedanken gewählt wurde? Das waren nur einige der Argumente. Ich hoffe, Sie erkennen jetzt das ganze Ausmaß einer mustergültigen Verschwörung. Und dabei sind Entwurfsmuster nur ein Exempel, sozusagen ein pars pro toto im Sodom und Gomorrha der Opensource-Software. Seien Sie also auf der Hut und vertrauen Sie ab sofort niemandem mehr! Übrigens: Wenn Sie jetzt vermuten, standardisierte Spezifikationen seien die Lösung, möchte ich Ihre Illusion mit einem Zitat von Linus Torvalds zerstören: „Spezifikationen zeigen unvermeidlich die Tendenz, neue Abstraktionsstufen und Begrifflichkeiten sowie Dokumentationskonventionen etablieren zu wollen, die für das Schreiben von Spezifikationen sinnvoll sind. Das Implementieren dieser Spezifikation führt allerdings zu unleserlichem und hässlichem Code. Ein klassisches Beispiel hierfür ist das Modell der OSI-Proto-kollschichten - eine klassische Entwurfsspezifikation mit null Relevanz für die wirkliche Welt. Wir sprechen immer noch über das OSI-7-Schichten-Modell, weil es ein bequemes Diskussionsmodell darstellt, aber ohne irgendeine Bedeutung für echtes Software Engineering. Mit anderen Worten, wir haben hier eine Basis um über Dinge zu sprechen, nicht um sie zu implementieren. Und das ist das entscheidende: Spezifikationen sind Mittel zur Beschreibung von Dingen, nicht für deren Realisierung. Daher sprechen Sie ruhig weiter über Spezifikationen! Echte Standards entstehen nicht wegen, sondern trotz Spezifikationen." Alles klar? Viel Spaß mit dieser Ausgabe wünscht Ihr Michael Stal

Termékadatok

Cím: JavaSpektrum mit Integrations August/September 2006 [antikvár]
Szerző: Dirk Mascher , Frank Hubert , Marcel Tilly , Oliver Raible Thomas Lieder
Kiadó: SIGS-DATACOM GmbH
Kötés: Tűzött kötés
Méret: 210 mm x 300 mm
Dirk Mascher művei
Frank Hubert művei
Marcel Tilly művei
Oliver Raible művei
Thomas Lieder művei
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