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i?L Der menschliche Faktor Zeitschriften wie die vorliegende befassen sich primär mit Technologien, Produkten, Methodiken sowie vielfältigen Tipps und Tricks, um Enterprise-Anwendungen auf raffinierte Art zu konstruieren. Der Mensch hingegen in seiner Rolle als Architekt oder Entwickler derartiger Artefakte bleibt fast immer unerwähnt, obwohl er doch eigentlich die Hauptlast schultert. Trotz der Tatsache, dass Softwareentwicklung ein schier unermessli-ches Maß an Komplexität mit sich bringt -sagen zumindest die Softwareentwickler -,...
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i?L Der menschliche Faktor Zeitschriften wie die vorliegende befassen sich primär mit Technologien, Produkten, Methodiken sowie vielfältigen Tipps und Tricks, um Enterprise-Anwendungen auf raffinierte Art zu konstruieren. Der Mensch hingegen in seiner Rolle als Architekt oder Entwickler derartiger Artefakte bleibt fast immer unerwähnt, obwohl er doch eigentlich die Hauptlast schultert. Trotz der Tatsache, dass Softwareentwicklung ein schier unermessli-ches Maß an Komplexität mit sich bringt -sagen zumindest die Softwareentwickler -, erhalten Informatiker viel zu wenig gesellschaftliche Anerkennung, ganz im Gegensatz zu ihren Kollegen aus der Raketentechnik oder theoretischen Physik. Dabei müssten doch gerade wir Softwareingenieure die Helden der modernen Zeit repräsentieren. Das ist der Grund, warum sich dieser Beitrag einmal ganz bewusst dem menschlichen Faktor widmen möchte. Was sind das also für Charaktere, deren tägliches Geschäft in der Entwicklung von J2EE-Anwen-dungen besteht? ˇ Prozessexperten wirken in der Regel extrem agil. Trotzdem stellen sie einen Habitus absoluter Unterschrockenheit und Ruhe zur Schau. Sie wissen auf alle Fragen eine Antwort, wenn auch die Antwort dem Fragenden nicht immer adäquat oder befriedigend erscheinen mag. Ihre Bibeln verkünden die Segnungen von Rational Unified Process und eXtreme Programming. Oft mit Rat und bisweilen auch mit Tat stehen sie anderen Beteiligten zur Seite. Ohnehin fällt es schwer, ihnen Fehler nachzuweisen, da ihre Worte, ähnlich dem Orakel von Delphi, die Ohren Normalsterblicher gleichsam in Rätselform erreichen. Während sie unter sich eine verschworene Gemeinschaft bilden, pflegen sie ansonsten Distanz zu den Nichteingeweihten und Ungläubigen. In der nächsten Reinkarnationsstufe mutieren sie nicht selten zu Marktanalysten. ˇ J2EE-Architekten machen des Öfteren einen geistesabwesenden Eindruck, zumal sie sich kontinuierlich in einer Art meditativer Trance befinden. Bei diesen Gelegenheiten gehen sie regelmäßig in sich, um Entwurfsmuster wie diejenigen aus „Core J2EE Patterns" andächtig zu memorieren und den Göttern guter Softwarearchitektur zu huldigen. Am Anfang jedes Projekts bringen sie deshalb Opfergaben dar, die sie als „Use Cases" und „Requirements" bezeichnen. Böswilligen Gerüchten zufolge fand sich auch schon mancher Auftraggeber auf ihren Opfertischen wieder. Begegnet man Architekten auf Fluren oder in Besprechungsräumen, lässt sich bei konzentriertem Lauschen vernehmen, wie sich Begriffe ä la „Business Delegate" oder „Session Facade" bedeutungsschwanger im Raum verbreiten. Wehe demjenigen, der es sich mit ihnen verscherzt! Zu ihren beliebtesten Folterwerkzeugen gehören nämlich UML und Powerpoint. ˇ J2EE-Entwickler lieben TLAs (Three Letter Acronyms) wie RMI, EJB, JMS, JSF, JSP, JDO oder XML. Trotzdem gilt diese Spezies als überaus kommunikativ. Ihre gemeinsame kulturelle Wurzel besteht in der Regel aus einer bunten Mischung von Star Trek, Douglas Adams, Terry Prachett, Monty Python und Dilbert. Ironische und satirische Spitzen feuern J2EE-Entwickler mit Vorliebe gegen ihr Lieblingsfeindbild aus Redmond. Diese vermeintliche Eintracht sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es unter ihnen verschiedenste religiöse und philosophische Strömungen gibt. Da wären zum Beispiel die berüchtigten Eclipse-Jünger, die sich bevorzugt mit der Emacs-Fraktion und anderen Randgruppen balgen. EJB-Vertreter lassen sich vor allem mit dem Thema „CMP" zur Weißglut treiben. Und da wäre noch der schwelende Konflikt zwischen denen, die sich die Errettung der Welt durch Web-Services erhoffen, und den CORBAnauten, die zurück zu den Wurzeln streben und sich eher zu einer schlichten Lebensweise hingezogen fühlen. ˇ Tester stehen dem Schicksal mit stoischer Grundhaltung gegenüber. Sie lassen sich weder von fehlgeschlagenen Unit-Tests noch von anderen Problemen aus der Fassung bringen. Ihre Beziehung zu den bereits genannten Rollen ist durchaus ambivalent, gelten sie doch einerseits als wichtigstes und letztes Glied in der Nahrungskette, aber andererseits auch als Bürokraten mit leicht sadistischer Grundtendenz. Sie genießen somit ähnliches gesellschaftliches Ansehen wie Fahrzeugprüfer vom TÜV oder Fußball-Referees. Obwohl sie gerade in J2EE-Projekten eine ganze Menge von Hürden meistern müssen, verkennen andere Projektmitarbeiter häufig die dem Tester inhärente Begabung. Zu den üblen Nachreden dieser Spezies gegenüber gehört übrigens das Gerücht, dass Tester sich auch im Privatleben ähnlicher Methoden bedienen und sich zum Beispiel vor der Etablierung von Lebensgemeinschaften über Checklisten absichern, frei nach dem Motto „drum prüfe, wer sich ewig bindet". Ohne Zweifel ist diese Rollen-Klassifizie-rung noch nicht vollständig, weder was die Zahl der Rollen noch was die Details betrifft. Nichtsdestotrotz stellt sie den ersten Versuch einer grundlegenden Soziologie und Phänomenologie dar. Zu berücksichtigen ist außerdem, dass einzelne Personen sich in der Praxis durchaus in mehreren Rollen wiederfinden können. Manche unter uns könnten wahrscheinlich von Projekten berichten, in denen sie alle Rollen inne hatten. Eine Tatsache, die übrigens nicht gerade für die jeweiligen Projekte spricht und bei einzelnen Mitarbeitern durchaus zu neurotischen oder schizophrenen Zuständen führen kann. An dieser Stelle möchte ich es für diesmal gut sein lassen. Sollten Sie diesem wissenschaftlichen Ansatz eigene Erkenntnisse und Erfahrungen hinzufügen wollen, wenden Sie sich bitte jederzeit an mich. In diesem Sinne viel Spaß mit der vorliegenden Ausgabe Ihr Michael Stal

Termékadatok

Cím: JavaSpektrum Systems 2004 [antikvár]
Szerző: Gerhard Versteegen , Markus Eisele , Markus Nilsen Rainer von Ammon et alii
Kiadó: SIGS-DATACOM GmbH
Kötés: Tűzött kötés
Méret: 210 mm x 300 mm
Gerhard Versteegen művei
Markus Eisele művei
Markus Nilsen művei
Rainer von Ammon et alii művei
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