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Vorwort
Das Interesse an Jesus von Nazaret hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten erstaunlich zugenommen. Es erreicht breite Bevölkerungsschichten, nicht nur christliche. Man kann in dieser Hinsicht sagen, daß das Interesse an Jesus von Nazaret größer ist als an seiner Verkündigung durch die Kirche, und muß dann die Frage stellen, welche Ursachen eine solche Entwicklung hat. Das Interesse zeigt sich auch darin, daß zahlreiche Jesusbücher auch von Nichtchristen veröffent-hcht worden sind. Juden entdecken in ihm ihren Bruder (Sch. Ben-Chorin), Philosophen deklarieren ihn zu einem der maßgebenden Menschen (K. Jaspers). Dabei ist im Auge zu behahen, daß das Interesse sich auf den historischen Jesus richtet, wie man ihn im Fachjargon zu benennen pflegt, also auf den Menschen .lesus, sein Leben, seine Botschaft, seine Geschichte.
Bezüglich der Rückfrage nach dem historischen Jesus und der Rekonstruktion seines Lebensweges hat sich die neutestamentliche Exegese der Zurückhaltung befleißigt. Angesichts der bestehenden Schwierigkeiten zu Recht. Doch stand die Exegese, wenigstens im deutschen Sprachraum, sicherlich in den letzten Jahrzehnten auch unter dem Einfluß R. Bultmanns, der zwar ein kleines Jesus-Buch geschrieben hatte, aber die Rückfrage für theologisch irrelevant erachtete. Das hat sich geändert. Es gilt, die Kontinuität der Verkündigung der nachösterlichen Kirche mit der Jesu neu zu entdecken, eine Kontinuität in der Diskontinuität.
Natürlich ist es unmöglich, eine Biographie Jesu zu schreiben. Man kann versuchen, seine Botschaft zu rekonstruieren, sein Wirken vom politischen und geistig-religiösen Horizont der Zeit her zu beleuchten. Quasibiographische Züge nimmt die Darstellung nur für die letzten Stunden seines Lebens an, die Stunden seiner Passion, für die wir wissen, daß eine alte Passionsgeschichte, mag sie auch theologisch reflektiert sein, sie aufbewahrt hat. Der Leser erwarte also vom Buch keine Lebensgeschichte Jesu, sondern er lese es als Hinführung zu dem, der für uns Christen der Maßgebende schlechthin ist.