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Pánik Es war kurz nach meiner Scheidung vom Schah von Iran im Marz 1958. Ich wohnte bei meinen Eltern in Köln, und eines Tages beschloE ich, zum erstenmal in die Stadt zu fahren, um ein paar Einkaufe zu machen. Da ich schlicht gekleidet war, schenkte man mir weiter keine Beachtung, doch auf der Hauptstrafíe entdeckte ich plötzlich, da6 ich nicht mehr richtig gehen konnte. Alle Augenblicke stiefi ich einen Passanten an und mufíte mich entschuldigen. Meine Augen waren gut und meine Beine gesund; ich hatte als Kaiserin ein-fach verlernt,...
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Pánik Es war kurz nach meiner Scheidung vom Schah von Iran im Marz 1958. Ich wohnte bei meinen Eltern in Köln, und eines Tages beschloE ich, zum erstenmal in die Stadt zu fahren, um ein paar Einkaufe zu machen. Da ich schlicht gekleidet war, schenkte man mir weiter keine Beachtung, doch auf der Hauptstrafíe entdeckte ich plötzlich, da6 ich nicht mehr richtig gehen konnte. Alle Augenblicke stiefi ich einen Passanten an und mufíte mich entschuldigen. Meine Augen waren gut und meine Beine gesund; ich hatte als Kaiserin ein-fach verlernt, mich im Gedránge zu bewegen. Eine Kaiserin ist gewohnt, daE ihr überall, wohin sie kommt, ehrerbietig Platz gemacht wird. Freilich war ich auch wahrend meiner Ehejahre öfters durch die Via Veneto in Rom oder die Champs-Elysées in Paris geschlendert; doch bei solchen Aus-gángen war ich immer von Hofleuten begleitet worden, die mir den Weg bahnten. Jetzt war ich ganz alléin, und als ich an eine Kreuzung kam, packte mich eine regelrechte Pánik. Ich wufite nicht mehr, wie man eine Straöe überquert und auf die herannahenden Autós aufpaSt. Ich fühlte mich wie jemand, der lange Zeit eingesperrt war und sich nun in der Freiheit nicht zurechtfinden kann. Mit dem Wagen aber war es noch schlimmer. Wenn ich mich in Teherán ans Steuer gesetzt hatte, waren mir jedesmal Motor-stafetten vorausgeeilt, die den Verkehr für mich anhielten. Ich brauchte mich nicht um rote und griine Lichter zu kümmern, und andere Signalzeichen gab es dort überhaupt nicht. Nun irrte ich auf einmal in einem Labyrinth von Verboten und Warnungstafeln herum. Eines Morgens fuhr ich in einem kleinen Opel, der keine CD-Nummer trug, mit meiner Sekretarin in die Stadt. Als ich irgendwo parkén wollte, kam ein Polizist und schimpfte: »Sehen Sie denn das Schild nicht? An dieser Stelle darf nicht angehalten werden.« »Die Dame kennt sich hier noch nicht ganz aus«, erklarte meine Sekretarin. »Sie ist die Ex-Kaiserin von Persien.« »Unsinn!« sagte er schroff. »Ihren Führerschein bitté!« Als er meinen Ausweis sah, stand er plötzlich stramm und zog sich mit offenem Mund zurück.

Termékadatok

Cím: Jetzt spreche ich [antikvár]
Szerző: Soraya Esfandiary
Kiadó: Lichtenberg Verlag GmbH
Kötés: Ragasztott papírkötés
Méret: 110 mm x 180 mm
Soraya Esfandiary művei
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