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Vorwort
D 300. Geburtstag Johann Friedrich Bött-gers am 4. Februar 1982 ist uns Anlaß, seiner genialen Erfindung und seines Werkes zu gedenken. Seine Erkenntnisse über Rohstoffe und Verfahren bewirkten, daß die erste Porzellanmanufaktur 1710 in Meißen gegründet wurde und sich in der Folge ein ganzer feinkeramischer Industriezweig in Europa entwickelte. Beeinflußt von den wissenschaftlichen Erkenntnissen und Arbeitsmethoden des Physikers und Mathematikers Ehrenfried von Tschirnhaus und gestützt auf die technologischen Erfahrungen Freiberger Berg- und Hüttenleute entwickelte er in der kurzen Zeit seiner Arbeit als Administrator der Manufaktur alles, was zur Produktion des Porzellans notwendig war. Böttger entwickelte auch Vorstellungen für die künstlerische Gestaltung der ersten Erzeugnisse, suchte die Verbindung zu Künstlern und regte sie zu ihrer Mitarbeit an. Als früheste Erzeugnisse der Manufaktur gehören heute Böttgersteinzeug und Böttgerporzellan zu den Kostbarkeiten der europäischen Keramik überhaupt.
Als Teil der Ausstellung zeigen wir im neu eingerichteten «Böttger-Saal» der Porzellansammlung zum ersten Mal den weltgrößten Bestand an Böttgersteinzeug und Böttgerporzellan, den die Dresdener Sammlung besitzt - ergänzt durch Leihgaben aus den Museen in Gotha, Schwerin und Arnstadt. Unser Dank gilt den befreundeten Sammlungen, die uns damit wesentliche Unterstützung boten. - In der Eingangshalle der Porzellansammlung belegen Sachzeugen und Archivalien, die im Grünen Gewölbe, im Mathematisch-Physikalischen Salon und im Staatsarchiv Dresden bewahrt werden, die historische Bedeutung des Wirkens Böttgers, ergänzt durch Erzeug-
nisse aus anderen Manufakturen, die unter Böttgers Administration standen, und durch Proben seiner alchimistischen Versuche. Der in Meißen geprägte Stil des europäischen Porzellans verbreitete sich weltweit und ist wesentlicher Bestandteil der europäischen Kunst- und Kulturgeschichte. Diesem kostbaren Erbe verpflichtet, arbeitet heute in der Meißner Manufaktur eine Gruppe von Künstlern, um mit neuen Formen und Dekoren dem Meißner Porzellan eine unserem Lebensgefühl entsprechende Gestalt zu geben. Ihre Leistungen wurden durch staatliche Auszeichnungen gewürdigt. Die Ergebnisse der intensiven künstlerischen Bemühungen dokumentiert der Ausstellungsteil «Das Neueste aus Meißen».
Die drei Abteilungen der Ausstellung werden im vorliegenden Katalog gültig zusammengefaßt. Zur gleichen Zeit erscheinen im Verlag Edition, Leipzig, die von Wissenschaftlern verschiedener Fachgebiete erarbeitete Monographie Böttgers sowie der kommentierte, als zeitgenössische Quelle bedeutungsvolle Bericht (1717) von Johann Melchior Steinbrück über Böttger und die ersten Jahre der Manufaktur.
Mit diesen vielfältigen wissenschaftlichen Bemühungen soll dem oft verkannten genialen Experimentator, Technologen und künstlerischen Anreger Johann Friedrich Böttger die Ehrung zuteil werden, die seinem Wirken gebührt.
Prof. Dr. K. Petermann Direktor
des VEB Staatliche
Porzellan-Manufaktur
Meißen
Prof. Dr. M. Bachmann
Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden