Bővebb ismertető
VORWORT Nach einigem Zögern und nicht ohne Bedenken habe ich mich entscblossen, einer aus Johann Heinrich Schönfelds Vaterstadt an mich ergangenen Anregung Foige zu leisten und meine langjdhrigen Forschungen zum kiinstlerischen Schaffen des Biberacher Meisters in einer geschlossenen Monographie zusammenzufassen. Je intensiver ich mich mit der Persönlichkeit dieses so mannigfach angeregten, aber letzten Endes doch höchst individuell profilierten Malers beschdfligte, umso fühlbarer wurde der Mangel einer jener solide gearbeiteten zeitgenössischen Biographien, wie wir sie aus der geschulten Feder wohlunterrichteter und verantwortungsbewuflter Schriftsteller wie Baldinucci, Bellori oder Passeri über die meisten italienischen Barockmaler, selbst solche geringeren Ranges, besitzen. Bei Schönfeld miissen wir uns leider mit den sparlichen und lückenhajien Nachrichten bescheiden, die Joachim von Sandrart für seine Teutsche Akademie" gesammelt und mit mehr Emphase und Schwulst des Stiles als historischer Treue und Gewissenhafligkeit der Nachwelt überliefert hat. Nur ein einziges prdzises Dátum enthalt diese Lebensbeschreibung, namlich das des Geburtsjahres und -tages,imübrigen aber nur unverbindlicheRedewendungen wie nach Zurucklegung weniger Jahr" und dhnliche, die über alles chronologisch Greifbare hinweggleiten und uns selbst über ein so tief in die Laufbahn des Künstlers einschneidendes Ereignis wie seine endgültige Niederlassung in Augsburg im Unbestimmten lassen. Unter solchen Umstanden bleiben, aujíer einer Anzahl an sich hochwillkommener, aber doch in kunstgeschichtlicher Beziehung nur begrenzt ergiebiger Akteneintragungen, im Grundé einzig die Werke selber, die uns zu einer Rekonstruktion der besonderen Umstande zu verhelfen vermögen, unter denen sich Werden, Reifen und endgültige Formung von Schönfelds Kunst vollzogen habén. Gewifl eine heikle, mancherlei Fehlschlüssen ausgesetzte Aufgabe, wie ich mir keineswegs verhehlte, als ich vor nunmehr 37 Jahren den Versuch machte, ihr in einem Aufsatz gerecht zu werden, der im Schwabischen Museum" (Jahrgang 1927, Seite 57 ff.) erschienen ist. Seither ist manche wertvolle neue Erkenntnis gewonnen, manche interessante Vermutung geaujiert, aber auch mancher Irrweg eingeschlagen worden, und mehr als eine von mir seinerzeit als gar zu phantastisch mit Schweigen übergangene Zuschreibung hat sich aufs neue in die Literatur wieder einzuschleichen gewu/it. Im ganzen genommen aber sind die Voraussetzungen für eine kritische Biographie wesentlich günstiger geworden, ein Umstand, der von entscheidendem Einflufl auf meine Bereitschafl war, zum ersten Male einen weiter gespannten Leserkreis mit dem niichst Elsheimer und Liss feinsinnigsten Malerpoeten bekannt zu machen, dessen sich die deutsche Kunst des 17. Jahrhunderts riihmen darf. Die abschliefiende Schönfeld-Monographie zu schreiben fühle ich mich nicht berufen, auch erachte ich die Zeit dafür bei dem gegenwartigen Stand unserer Kenntnisse noch nicht für gekommen. Was mir vor allém anderen am Herzen lag, war dies: die vielseitige und phantasiebegahte Persönlichkeit, die sich uns bei Betrachtung von Schönfelds Werken erschliefit, sowohl aus ihrem eigenen Geist wie aus jenem ihrer Zeit und Umwelt her aus zu deuten und dem heutigen Verstiindnis naher zu bringen. Ein erlauterndes Wort zu dem beigegebenen topographischen Verzeichnis dürfle am Platze sein. So grofle Mühe ich auch darauf verwandt habe, den ofl stark divergierenden brieflichen wie mündlichen Auskünflen und den literarischen Zitaten nachzugehen, darf doch unter den heute obwaltenden Umstanden keine Vollstandigkeit, und vollends keine absolute Zuverldssigkeit in den Standortangaben erwartet werden. Alle noch nicht in f esten Museumsbesitz iibergegangenen Bilder - und das ist die erdrükkende Mehrzahl - sind namlich einem fortgesetzten Wechsel der Eigentümer unterworfen; sogar noch w'dhrend der Drucklegung dieser Monographie habén solcfje Transaktionen stattgefunden und sind nach Möglichkeit von mir berücksichtigt worden. Aber nicht alléin bei den Bildern in privatem Besitz, sondern auch bei den Gemálden in Kirchen und kirchlichen Gebauden wdren mannigfach e erschwerende Umstande zu melden, zumal in Anbetracht der Verwüstungen des letzten Krieges und deren weittragenden Folgen, worauf im einzelnen einzugehen sich von selbst verbietet. So mufi denn in diesem Teil des Buches mancher an sich berechtigte Wunsch notgedrungen unerfüllt bleiben. Weitaus wichtiger indessen als eine fiktive Vollstandigkeit erscheint mir, dafi aus dem Register der aufgefuhrten und insbesondere der abgebildeten Werke konsequent alles ausgeschlossen wurde, was dem Kiinstler in alterer wie neuerer Zeit an oflmals recht geringwertigen Bildern falschlich t