Bővebb ismertető
Johannes Brahms in Wien" ist ein schier unerschöpfliches Thema, weil Brahms die meisten und wesentlichsten Jahre seines Lebens hier verbracht und sich hier zu Hause gefühlt hat. Schon 1864/65, als sich die Frage noch gar nicht stellte, wo er sich endgültig niederlassen würde, ist bei seinen Konzertreisen auf den Programmzetteln zu seinem Namen der Zusatz zu lesen aus Wien": Dorther kam er und dorthin würde er wiederzurückkehren. In den folgenden Jahren identifizierte er sich immer deutlicher mit seiner Wahlheimat, er lehnte Berufungen von auswárts ab und blieb in Wien - nein, blieb Wiener. Unser schönes und liebes Österreich" - so Brahms an E. W. Engelmann 1880 - dankt ihm dies 1889 mit der Verleihung des Commandeurkreuzes des Österreichisch-Kaiserlichen Leopolds-Ordens, der nach den Ordensstatuten u. a. für entscheidende Beweise der Anhánglichkeit an das Vaterland und an den Landesfürsten sowie für die Nation verherrlichende Gelehrsamkeit vom Kaiser verliehen wurde. Es wáre müBig, in einer Ausstellung mit diesem Titel den Nachweis zu führen, warum Brahms Wiener und Österreicher geworden ist, warum er sich - bei aller Weltoffenheit - hier am wohlsten gefühlt hat. Man könnte Aussprüche und Briefstellen von ihm zitieren, müBte sich aber letztlich doch in Spekulationen verlieren. Nehmen wir seine Entscheidung als Tatsache hin und gehen wir vielmehr seinen Spuren hier nach. Wir lernen so den Menschen, sein Wirken und das musikalische Leben seiner Zeit - besser- kennen. Ich meinesteils gehe auch im Sommer künftig nicht ohne besonderen Grund aus Österreich hinaus", erklárte Brahms 1877 Ottó Dessoff. Daher müssen auch seine Sommeraufenthalte in Österreich eine kurze Berücksichtigung finden-und zwarganz bewuBt unter dem Titel ,,Auf Sommerfrische". Denn der Wiener gingblieb er nicht überhaupt in der Stadt- nicht auf einen sommerlichen Urlaub, sondern er übersiedelte für den Sommer nach Möglichkeit an den Stadtrand, in den Wienerwald, in das Salzkammergut oder sonstwohin: Er ging ,,auf Sommerfrische" und traf dort die Gesellschaft, die er aus Wien kannte. Jschl aber muB ich sehr lobén", schrieb Brahms 1880 an Theodor Billroth, und da nur mit dem Einen gedroht wird, daB halb Wien sich hier zusammenfindet, so kann ich ruhig sein - mir ist das ganze nicht zuwider." Mit diesem Konzept kann die Ausstellung keine Musikausstellung im engeren Sinn sein. Noten sind nicht die wichtigsten Objekte, die zu zeigen sind. Daher werden auch nur relatív wenige Autographe gezeigt. Viele berühmte und attraktive Autographe blieben in den Trésorén, weil der Informationswert einer Ausstellung nicht von derZahl der gezeigten Autographe abhángt. Siesind in erster Linie-dafür aber durch nichtszu ersetzende - Studien- und nicht Schauobjekte. BewulBt wurde immer wieder auf Details hingewiesen. Die Rohrpostkarteder damals die Bedeutung des heutigen Telephons zukam - ist weniger attraktív als ein mehrseitiger Brief, aber für die rechte Vorstellung vom Verkehr zwischen Brahms und seinem Freundeskreis ganz wesentlich. SchlieBlich falit Brahms' Wirken bereits in die Zeit der Photographie; glücklicherweise können wir uns daher auf vielfáltiges Bildmaterial stützen. DaB die Photographie damals aber die dokumentarischen Aufgaben der bildenden Kunst noch nicht verdrángt hat, kann mit einigen Beispielen von der Hand Ludwig Michaleks gezeigt werden. Bis auf drei Ausnahmen, die Leihgaben aus Privatbesitz und als solche gekennzeichnet sind, stammen alle ausgestellten Objekte aus dem Besitz der Gesellschaft der Musikfreunde, deren Archiv Brahms selbst regelmáBig benützt, mehrmals mit Geschenken bedacht und als Hüter seines Buch- und Musikaliennachlasses bestimmt hat. Brahms stellt daher einen Schwerpunkt der hiesigen Sammel- und Dokumentationstátigkeit dar, der durch weitere Nachlásse, Legate und Ankáufe gewachsen ist und immer noch wáchst. Einige wichtige Neuerwerbungen der letzten Jahre können in dieser Ausstellung zum ersten Mai prásentiert werden.