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VORBEMERKUNGEine Schriftstellerei, die aus zwanzig Büchern ein einundzwanzigstes herstellt, war mir immer verdächtig. Ich darf sagen, daß keines meiner Bücher auf solche Weise entstanden ist; auch dieses nicht. Es versteht sich, daß ich die verschiedenen Brahms-Biographien von Max Kalbeck, Walter Niemann, Florence May, Fuller-Maitland, Wolfgang Thomas-San Galli, Heinrich Reimann, Richard von Perger schon lange gelesen hatte, ehe ich zur Niederschrift der nachstehenden Blätter getrieben worden bin; aber ich habe mich bemüht, sie alle zu vergessen und habe nur hinterher Kalbecks als Materialsammlung unvergleichliche, in der Darstellung farbige und schwungvolle, nur allzu weitschweifige und von überflüssiger Polemik belastete Lebensbeschreibung zur Kontrolle der Tatsachen herangezogen. Ich wollte das Leben des letzten Großmeisters der Musik des 19. Jahrhunderts aus unmittelbaren Dokumenten und nicht aus der Schilderung anderer nachbilden: aus seinen Briefen und aus seiner Musik geht alles äußere und innere Geschehen seines Daseins hervor. Aber es wäre mir trotz alledem kaum möglich gewesen, dieses Bild zu zeichnen, wenn ich nicht noch das Glück gehabt hätte, den Druck der festen, kurzen Hand des Meisters zu spüren, den immer etwas verrosteten, knarrenden Klang seiner Stimme, sein ganz verseeltes, unvirtuoses, in sich versponnenes Spiel zu hören und von seinem menschlichen Wesen angerührt worden zu sein.Der Antriebe zu diesem Buch waren vielerlei. Daß ein Teil meines eigenen Lebens mit all dem hier Geschilderten zusammenfällt und daß es in leidenschaftlichem Anteil erlebte Menschen und Ereignisse waren wenn ich sie auch erst im letzten Jahrzehnt, in dem Brahms noch auf Erden ging, aus voller Nähe sehen und fühlen durfte ist eine persönliche Sache, die meinen Drang nach einem Festhalten dieser Zeit rechtfertigen mag, aber nicht die Behelligung der öffendichkeit. Eher vielleicht, daß die Gestalt des Meisters hier anders, tragischer, menschlicher, komplizierter, wenn auch minder heroisch stilisiert gesehen und gezeichnet wird, als es bisher zumeist geschehen ist. Vor allem aber, daß es wohl kaum jemals derart notgetan hat, eine Erscheinung von solcher Größe, dem Verantwortungsgefühl, dem Schaffen in Selbstzucht und innerer Ergriffenheit zu zeigen wie in unseren Tagen, denen eine Gesinnung und eine Haltung wie die des Schöpfers des Deutschen Requiems fremd geworden ist und denen sie ein großes und ermutigendes Beispiel sein mag.