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Vorwort zur dritten Auflage
Die erste Auflage dieses Buches erschien vor fünfzehn Jahren. Schon 1936 war eine russische Monographie »John Heartfield«, verfaßt von Sergej Tretjakow, im Ogis-Verlag, Moskau, herausgekommen. 1945 veröffentlichte der Schweizer Kunstwissenschaftler Konrád Farner in Zürich »Fotomontagen zur Zeitgeschichte«, ein Bändchen mit einundzwanzig verkleinerten Reproduktionen aus der »Arbeiter- (seit 1936 »Volks«-) Illustrierten« (s. Seite 358). Es enthält u. a. Aufsätze von Alfred Durus, Wolf Reiss (=János Reismann, s. Seite 47-48) und Louis Aragon. Unter den damaligen Verhältnissen konnte das Büchlein so gut wie nicht vetv breitet werden. Es wurde auch nicht nachgedruckt oder neu aufgelegt.
Im Januar 1945 hatte der von elf Autoren im Exil gegründete »Aurora-Ver-lag«, New York, in seinem ersten Katalog unter dem Titel »Der Faschistenspiegel« eine »Sammlung von Blättern des Schöpfers der Fotomontage, John Heartfield«, angekündigt. Ich unterrichtete damals meinen seit 1938 in London lebenden Bruder und schlug als Alternative den Titel »Krieg im Frieden« vor (s. Seite 95-96). Aber der Plan blieb unverwirklicht.
Nach der Heimkehr aus dem Exil wurden wir oft gefragt, warum wir die junge Generation nicht mit diesen Arbeiten vertraut machten. Das hatte verschiedene Gründe. Heartfield war in England so schwer erkrankt, daß er erst im August 1950 zurückkehren konnte. Einen Teil des seit 1933 im Exil GeschafFenen brachte er zwar mit, aber viel vorher Veröffentlichtes war, soweit nicht zerstört, irgendwo in der Welt versteckt oder schwer zugänglich; ebenso Zeitungen, Zeitschriften, Briefe, Bücher, Fotos und Dokumente, die benötigte Daten, Fakten und Abbildungen enthielten. Auch das damalige kulturpolitische Klima war dem Vorhaben ungünstig. Unsere Buch-Idee stieß bei Verlegern auf wenig Interesse.
Immerhin schützten Bühnenausstattungen, Plakataufträge und eine Ehrenrente der Regierung Heartfield vor Geldsorgen. Sorgen machte hingegen seine Gesundheit. Nach zwei Herzinfarkten konnte er erst 1954 wieder kontinuierlich arbeiten. Meine Lehrtätigkeit an der Universität Leipzig machte es mir indessen schwer, ihm dabei wie früher zur Seite zu stehen.
1956 änderte sich viel: Heartfield wurde Mitglied der Deutschen Akademie der Künste zu Berlin; sie veranstaltete 1957 seine erste große deutsehe Gesamtausstellung, und er erhielt den Nationalpreis. So erfuhren viele alte Freunde und Bewunderer seiner revolutionären Kunst im In- und Ausland, daß es John noch gab. Und mancher rief Vergessenes in unser Gedächtnis zurück oder half bei der Beschaffung von Material, das uns fehlte. 1958 ging die Ausstellung von Berlin nach Moskau. Dort übergab der Kustos des Puschkin-Museums Heartfield zwei große Kisten, in denen sich Material befand, das 1931 auf der Moskauer Ausstellung gezeigt worden war (s.Seite 107). Damals hatte die Museumsleitung in der Voraussicht, daß Deutschland einer Katastrophe entgegenging, beschlossen, das Material einzulagern. Nun ergänzte es das Ausstellungsgut.