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Zum Geleit
«Tout finit par des chansons,» sagt Bridoison, der lustige Richter, in Beaumarchais' «Figaros Hochzeit»; er hätte hinzufügen können: «tout commence aussi par des chansons». Wie der Rythmus das Ursprüngliche ist, das bis an die letzten Quellen menschlicher Entwicklung zurückführt, so ist das Lied der natürliche Spiegel, der eines Volkes Psyche uns im Bilde zeigt, besser als es irgendein Kulturhistoriker kann. Denn die Wissenschaft gibt Gründe und zieht Schlüsse, stellt Hypothesen auf, folgert und deduziert, während der Volksdichter ein Unwissender ist, der nur die momentane Stimmung aufnimmt und in Worte faßt — ein Vorgang, der dem Gelehrten gewiß herzlich gleichgültig ist, dem Künstler und Dichter aber ebenso gewiß sehr viel reizender und künstlerisch wertvoller erscheint. So gibt der Historiker und Kulturhistoriker das wirkliche Leben, das Volkslied aber gibt uns das, was Peter Altenberg so hübsch die «Märchen des Lebens» nennt. Und wollen wir auch die exakte Forschung beileibe nicht vermissen, so wollen wir doch auf der andern Seite diese „Märchen" noch weniger entbehren. Das ist der Grund, weshalb jedem künstlerisch empfindenden Deutschen «Des Knaben Wunderhorn» ein so unentbehrlicher Freund ist, weshalb diese treffliche Sammlung immer von neuem durch die Generationen hindurch auf Musiker, Dichter und Maler anregend und befruchtend wirkt.