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EditorialSeit dem Beginn der erneuten und weithin unerwarteten historischen Umwälzungen in Zentraleuropa und Ost-Mitteleuropa im vergangenen Jahr 1989, dem neuen Zeitalter des europäischen Post-Kommunismus und der europäischen "Post-Post-histoire" sozusagen, hat das JOURNAL FÜR SOZIALFORSCHUNG sich wiederum verstärkt den Entwicklungen der "Zweiten Welt" und das heißt unseren osteuropäischen Nachbarn zugewandt.Das JOURNAL FÜR SOZIALFORSCHUNG hatte sich seit seiner Neugründung im Jahre 1980 und mehr als andere sozial wissenschaftliche Fachzeitschriften immer schon mit den gesellschaftlichen Entwicklungen in Osteuropa kritisch auseinandergesetzt. Ein Blick in unser Autoren- und Themenregister sowie das Verzeichnis wichtiger Meinungsprofile (S. 141 f.) der JOURNAL-Jahrgänge 1980 bis 1989 belegt das deuüich. Insbesondere der Systemkrise in Polen 1980/81 war ein eigenes Sonderheft von über 300 Seiten gewidmet, mit Analysen führender polnischer Sozialwissenschafter, einem umfangreichen Dokumentenanhang sowie den ersten im Westen veröffentlichen Meinungsforschungsergebnissen aus einem sogenannten "sozialistischen" Land. Sie lesen sich heute immer noch und vielleicht mehr als damals als ein atemberaubend aktuelles zeitgeschichtliches Dokument zu den widersprüchlichen Verfallsprozessen des Staatskommunismus gegen den Hintergrund der Alltagserfahrungen,Gerechtigkeitsvorstellungen,Bewußtwerdung,politischen Forderungen und Kämpfe ständig breiterer Bevölkerungsschichten, zur Entstehung von Sü-eikbereit-schaft und daraus der Solidarnosc-Bewegung beispielsweise die Fieberkurven des Vertrauens- / MiBü^auensbarometers in die Regierung (und andere Institutionen) 1973 bis 1980 und ihr Zusammenhang mit Wirtschaftsreformen, Preiserhöhungen, Lebensmittelversorgung, Lebenshaltungskosten usw Es bleibt djes ein bis heute immer wieder nachbestelltes Referenzwerk (dessen Reinertrag übrigens, nach Verhängung des Kriegsrechts, an die Polenhilfe bzw. an internierte Autoren und Kollegen überwiesen worden war).Im vergangenen Jahre bürgerlicher Revolutionen in Ost- und Zentraleuropa haben wir wie seinerzeit in Polen auch wiederum begonnen, erste politische Meinungsforschung direkt aus den Ländern selbst zu veröffentlichen, naturgemäß zuerst aus jenem Land, in dem die Liberalisierung am weitesten fortgeschritten war, nämlich aus Ungam. (Einer alten soziologischen Daumenregel zufolge ist ja der ZusUjnd politischer Meinungsforschung neben dem Schicksal der Juden und anderer Minderheitender zuverlässigste Gradmesser politischer Liberalisierung in autoritären Regimes.) Bereits zwei Tage nach dem Fall der deutsch-deutschen Mauer konstituiertesich, nach Jahrzehnten fehlender Demoskopie in der DDR, auch am Institut für Soziologie und Sozialpolitik der Akademie der Wissenschaften der DDR eine "Vorbereitungsgruppe zur Erforschung der öffentliclien Meinung", deren erste Umfragedaten bereits im Heft 4 / 1989 des JOURNAL veröffentlicht worden waren.mm3